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Ausbildung der Kräfte des Menschen, Fortschreitung."
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Setzt Glass-Steagall wieder in Kraft!

Von Jack Lynch,
ehem. Vizepräsident der First Midwest Bank of Illinois

Es ist mir ein Vergnügen, an dieser wichtigen LaRouche-PAC-Veranstaltung teilzunehmen. Zu meinem Hintergrund: Ich habe Abschlüsse der University of Illinois in Wirtschaft und Finanzen, bin Betriebswirt der University of Wisconsin und studierte auch an der DePaul Jura-Fakultät.

Ich habe eine Laufbahn als Bankier eingeschlagen, in verschiedenen Funktionen in Kreditabteilungen bei der Continental Illinois National Bank and Trust Co., damals die siebtgrößte Bank der Welt; außerdem im Bereich kommunaler Banken. Ich war Führungskraft im Bankwesen bei der First Midwest Bancorp. Ich war Präsident von zwei Banken, und ich machte im Wesentlichen Karriere in der der Geschäftskreditvergabe, der Unternehmensfinanzierung, sowohl auf lokaler Ebene großer Banken als auch in Regionalbanken.

Ich bin jetzt auch Trump-Delegierter für den Konvent der Republikaner 2020 in Charlotte. Dies ist das zweite Mal. 2016 diente ich nicht nur als Delegierter des Staates Illinois in der Republikanischen Partei, sondern ich hatte auch die Ehre, im Programmausschuß mitzuwirken. Und als man mir damals ein Exemplar der vorgeschlagenen Plattform der Republikanischen Partei überreichte, bemerkte ich in dem Dokument ein wichtiges Manko: Es enthielt nämlich keine Stellungnahme zur Wiedereinführung des Glass-Steagall-Gesetzes von 1933, was Lyndon LaRouche bekanntlich schon seit 1999 befürwortet hatte, als dessen Abschaffung unser Bankensystem und das amerikanische Volk unterminierte und machtlos machte.

Und genauer gesagt war meine Sorge seit 1999, als Clinton das Gesetz [zur Abschaffung des Glass-Steagall-Gesetzes] unterzeichnete, daß wir die schlimmste Finanzkrise seit der Depression 1929 erleben würden: Konkret gab es 2008 einen Zusammenbruch – und es war übrigens ein Zusammenbruch unseres Finanzsystems, ein systemischer Zusammenbruch, und genau das, was Lyndon LaRouche vorhergesagt hatte. Er hatte das eigentlich schon 1999 betont.

Jedenfalls hielt ich mehrere Reden, ich sprach vor dem gesamten Plattformausschuß und der gesamten Delegation, den 100 Mitgliedern, die in Cleveland mit der Verantwortung betraut waren, diese Plattform festzulegen. Und ich war erfreut, daß sie meinem Vorschlag, Glass-Steagall wieder einzuführen, zugestimmt haben.

Seitdem gab es dazu zwei Gesetzesvorschläge, einen im Senat und einen im Repräsentantenhaus – zu diesem Zeitpunkt parteiübergreifend. Und sie vermodern sozusagen seit April 2007 in beiden Kammern. Ich hoffe nur, daß sie vorankommen und dieses Gesetz verabschieden werden.

Dazu möchte ich etwas von Lyndon LaRouche vorlesen, weil es wirklich genau unterstreicht, was mich damals bewegte:

    „Die Aufhebung des ursprünglichen Glass-Steagall Act von 1933 im Jahre 1999 war vielleicht die größte kriminelle Handlung gegen das wirtschaftliche Wohlergehen des amerikanischen Volkes im 20. Jahrhundert. Trotz aller gegenteiligen Behauptungen legte die Aufhebung des Glass-Steagall-Gesetzes den Grundstein für die Entstehung einer monströsen Derivate-Blase, die während der Finanzkrise von 2007-08 platzte. Nach diesem Crash hätte die erste Handlung des Kongresses darin bestehen müssen, durch die Wiederherstellung von Glass-Steagall seine Torheit zu korrigieren, um so die massive Blase der Kasino-Werte zu beseitigen und einen Schutzwall zwischen der unkontrollierten Spekulation an der Wall Street und der Lebensgrundlage des amerikanischen Volkes zu errichten – genau wie Franklin Roosevelt 1933, als der Glass-Steagall Act erstmals gesetzlich verankert wurde.“

Stattdessen verabschiedete der Kongreß unter den Drohungen und Einschüchterungen der größten Finanzinstitute eine beispiellose Rettungsaktion für die Wall-Street-Banken auf dem Rücken einer bereits verarmten amerikanischen Bevölkerung. In den folgenden acht Jahren litt unser Volk unter den zunehmenden Auswirkungen dieses Betrugs, so weit, daß unser Land nun vor einem weiteren finanziellen Zusammenbruch steht, von weit größerem Ausmaß als selbst der von 2007/08. Die einzige Möglichkeit, einem solchen Schicksal zu entgehen, ist heute die sofortige Wiederherstellung von Glass-Steagall, als notwendiger erster Schritt zu einem vollständigen Wiederaufbauprogramm in der Art von Franklin Roosevelt, so wie LaRouchePAC dies ausführlich dargelegt hat.“1

Dem möchte ich noch das Thema „Derivate“ hinzufügen. Derivate sind hochkomplexe Finanzinstrumente zur Risiko-Auslagerung. Wenn Sie ein Derivat nutzen und das Risiko auslagern, heißt das: Jemandem ist das Risiko, das er eingeht, unangenehm, und eine andere Partei ist bereit, dieses Risiko gegen eine Gebühr zu übernehmen. Ist das soweit klar?

Nun passierte folgendes: Die Finanzinstrumente, die tatsächlich die Krise 2008 ausgelöst haben, waren hypothekenbesicherte Wertpapiere, mit verschiedenen Tranchen und unterschiedlichen Risikoniveaus. Und dann schaltete sich [die Versicherung] AIG im Auftrag von Citicorp oder Citibank ein und versicherte einen großen Block dieser Wertpapiere, und Lehman Brothers hing mit all dem zusammen. Wie wir wissen, brachen die zusammen. Und zu dieser Zeit standen buchstäblich alle großen Banken – wie bekanntlich Lehman Brothers – vor dem Zusammenbruch, wäre nicht die Regierung eingeschritten und hätte ihnen aus der Patsche geholfen.

Worauf ich jedoch zurückkommen möchte, ist, daß das im Jahr 2008 eine Derivatekrise war. Ironischerweise beläuft sich der gesamte Derivatemarkt – was man den „Nominalwert“ von Derivaten nennt, d.h. den angegebenen Nennwert – heute weltweit auf 1,2 Billiarden Dollar, und der Anteil der Vereinigten Staaten beträgt 555 Billionen Dollar. Und fünf der großen Banken, die Megabanken – die sog. „systemrelevanten“ – halten 90% dieser Instrumente. Neunzig Prozent.

Nun werden die erklären: „Ach, das ist der Nennwert, im Endeffekt läuft es auf einen viel niedrigeren Wert hinaus.“ Doch selbst wenn es 10% dieser 555 Billionen Dollar wären, wäre das mehr als das Dreifache unseres BIP. Das ist ein beängstigender Gedanke.

Aber gleichzeitig beunruhigt mich noch etwas in unserem Bankensystem, was weitgehend mit dem Wegfall von Glass-Steagall zusammenhängt: Wie Sie in letzter Zeit mit der COVID-19-Pandemie vielleicht bemerkt haben, sind die Aktien der Banken – der fünf großen Banken – um etwa 50% gefallen. Und einer der Gründe dafür ist eben die Ungewißheit darüber, welche Risiken sie in ihren Büchern haben, das Ausmaß dieser Risiken, das Mißmanagement dieser Banken. Und leider gibt es in unserem Land zwar 5000 Geschäftsbanken, aber diese fünf Großbanken verfügen über etwa 50% der Einlagen – die wiederum gefährdet sind.

Ich bin kein Weltuntergangsprophet, ich bin ein sehr optimistischer Manager. Ich habe alles immer positiv gesehen: „Das Glas ist immer halb voll und sicher nicht halb leer.“ Aber jetzt sehe ich uns, wie wir am Abgrund stehen. Lyndon LaRouche wußte das. Gott segne ihn, er ist vor einem Jahr gestorben, und er war so eine wunderbare Stimme für das amerikanische Volk.


Anmerkung

1. https://larouchepac.com/glass-steagall