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Friedrich Schiller



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Schiller-Institut e. V.
"Zweck der Menschheit ist kein anderer als die
Ausbildung der Kräfte des Menschen, Fortschreitung."
Friedrich Schiller

 

Rettet die Republik vor dem Überwachungsstaat!

Wir bringen auf den folgenden Seiten die Mitschrift einer Konferenz zu diesem Thema mit rund 160 Teilnehmern, die das Schiller-Institut am 29. Februar in New York City veranstaltete. Redner der Konferenz waren die langjährigen NSA-Beamten und -Whistleblower Bill Binney und Kirk Wiebe sowie Lyndon LaRouches langjähriger Mitarbeiter Michael Billington, der Anfang der 1990er Jahre in dem politisch motivierten Verfahren gegen LaRouche zu einer Haftstrafe von 77 Jahren verurteilt wurde.

Die Vortragsrunde begann mit einer Grußbotschaft der Gründerin und Präsidentin des Schiller-Instituts, Helga Zepp-LaRouche. Binney und Wiebe berichteten dem Publikum im überfüllten Saal, wie sie vor den Anschlägen vom 11. September 2001 bei der NSA die Entwicklung von Computerprogrammen für eine sehr begrenzte, selektive Datenüberwachung geleitet hatten, die die Vorbereitungen auf diese Anschläge aufgedeckt hätten. Michael Billington berichtete über das Vorgehen der US-Regierung gegen LaRouche und betonte: „In diesem Augenblick der Geschichte… ist LaRouches Rehabilitierung möglich und absolut notwendig, und sie wird nicht nur Amerika, sondern die ganze Welt für immer verändern.“

Den Videomitschnitt der dreistündigen Veranstaltung finden Sie im Internet unter
https://larouchepac.com/20200224/rescuing-republic-surveillance-state.


© LaRouchePAC

Helga Zepp-LaRouche

Helga Zepp-LaRouche

Helga Zepp-LaRouche: Hallo! Ich bin Helga Zepp-LaRouche, und ich bin die Gründerin des Schiller-Instituts. Ich freue mich sehr, in diesem äußerst wichtigen Moment der Geschichte zu Ihnen zu sprechen. Die Welt steuert auf eine Krise zu, die leicht zur schlimmsten seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs werden könnte. Wenn wir keinen Kurswechsel vornehmen, besteht ganz klar die Gefahr, daß die gesamte strategische Situation völlig außer Kontrolle geraten könnte. Was es so schwierig macht, ist, daß diese Krise viele interagierende Elemente enthält.

Lassen Sie mich mit einem sehr beunruhigenden Aspekt beginnen. Trotz der Tatsache, daß Präsident Trump eindeutig die Absicht hat, die Beziehungen zu Rußland und China zu verbessern, kommen aus einigen anderen Teilen der US-Regierung auch ganz andere Töne. Kürzlich nahm Verteidigungsminister Esper persönlich an einem Planspiel teil, das auf dem Szenario eines „begrenzten Atomkriegs“ zwischen den Vereinigten Staaten und Rußland in Europa basierte und das den Einsatz sogenannter „Kernwaffen geringer Sprengkraft“ beinhaltete.

Nun haben die Vereinigten Staaten in jüngster Zeit genau solche Sprengköpfe mit „geringer“ Sprengkraft auf U-Boot-gestützten ballistischen Raketen auf den Trident-U-Booten stationiert, und dieser Einsatz solcher Kernwaffen mit „geringer Sprengkraft“ senkt die Schwelle zum Atomkrieg sehr gefährlich.

Diese Woche fand eine Anhörung im Streitkräfteausschuß des Senats statt, darin fragte Senatorin Deb Fischer den General der US-Luftwaffe Tod D. Wolters, Kommandant des US-Europa-Kommandos und Oberkommandeur der alliierten Truppen in Europa – der so genannte SACEUR: „Was würden Sie von einer Politik halten, die auf den Ersteinsatz von Kernwaffen verzichtet? Glauben Sie, daß dies die Abschreckung verstärken würde?“ General Walters antwortete: „Senatorin, ich bin ein Anhänger einer Politik des flexiblen Erstschlags.“ Das ist ein Doktor Seltsam auf dem Posten des Oberkommandierenden der US-Truppen in Europa. Und dies geschieht, während im Rahmen der NATO-Militärübung Defender 2020, dem größten Manöver seit dem Ende des Kalten Krieges, Zehntausende US-Soldaten und andere, wie die Bundeswehr, für mehrmonatige Manöver an die russische Grenze verlegt werden.

Wenn man all dies berücksichtigt, zeigt die Ausbreitung des Coronavirus, die nach Ansicht der höchsten Gesundheitsbeamten nur einen Schritt von einer Pandemie entfernt ist, daß wir am Rande einer unkontrollierbaren Situation stehen. In Europa sind bereits die meisten großen internationalen Veranstaltungen und Konferenzen abgesagt worden, und Teile der italienischen Region Lombardei stehen jetzt unter Quarantäne; sie wird Europas Wuhan genannt. In den Medien, im Fernsehen und in den Zeitungen wird den Menschen gesagt, sie sollen für mehrere Wochen Nahrungsmittelreserven anlegen. Schon jetzt hat die Verbreitung des Coronavirus erhebliche Auswirkungen auf die Realwirtschaft.

China hat nach den Worten des WHO-Chefs einen neuen Maßstab im Kampf gegen solche Epidemien gesetzt, weil es die Verteidigung des Lebens als erste Priorität setzt und hervorragende Maßnahmen zur Eindämmung des Virus ergriffen hat. Aber sein BIP-Wachstum wird im ersten Quartal wahrscheinlich auf 0% sinken, statt wie erwartet 6%.

Nun hat China wahrscheinlich die besten Chancen, sich zu erholen, aber für den sogenannten Westen sieht es viel düsterer aus, weil die internationalen Lieferketten unterbrochen wurden und noch viel mehr unterbrochen werden. Jetzt schlagen die Auswirkungen der sogenannten Globalisierung auf uns selbst zurück. Die Globalisierung führte zu einer Auslagerung der Produktion in Billiglohnländer, etwa die Lebensmittelproduktion, die nun nicht mehr unter der souveränen Kontrolle von Ländern, sondern unter der Kontrolle internationaler Kartelle steht. In den meisten Ländern haben wir keine Ernährungssicherheit mehr.

Wenn das Coronavirus sich zu einer Pandemie ausweitet oder auch nur auf weitere Länder ausbreitet, wird es aller Wahrscheinlichkeit nach zum Auslöser für die Finanzkrise. Es ist nicht die Ursache, sondern nur der Auslöser, denn dieses Finanzsystem stößt bereits jetzt an seine absoluten Grenzen. Seit September letzten Jahres pumpt die Federal Reserve unglaubliche Geldmengen in Form der sogenannten Repo-Kredite in das System. Die anderen Zentralbanken – die EZB, die Bank of England, die Bank of Japan und andere – pumpen durch Quantitative Lockerung und negative Zinssätze Geld in das System, und das ist gerade an einem Endpunkt, einer absoluten Grenzbedingung angelangt.

Aber es gibt einen Ausweg.

Am 3. Januar, nach der Ermordung des iranischen Generals Soleimani, als etwa zwei Tage lang die Gefahr einer sehr gefährlichen strategischen Konfrontation bestand, habe ich einen Vorschlag für ein sofortiges Gipfeltreffen der Präsidenten der Vereinigten Staaten, Rußlands und Chinas vorgelegt, um eine neue Ebene der Zusammenarbeit einzuführen, damit die Gefahr einer geopolitischen Konfrontation überwunden wird. Inzwischen hat Präsident Putin einen ähnlichen Vorschlag gemacht, daß die Regierungen der fünf ständigen Mitgliedstaaten des UN-Sicherheitsrates ein solches Gipfeltreffen abhalten sollten. China und Frankreich haben bereits zugestimmt. Und heute berichtet TASS unter Berufung auf einen hochrangigen US-Beamten, daß die Vereinigten Staaten sehr daran interessiert seien, ein solches Treffen auf der Ebene der Regierungen der Mitgliedstaaten des UN-Sicherheitsrats für ein neues Rüstungskontrollabkommen abzuhalten.

Nun, ich denke, was wir tun müssen, ist, die Agenda eines solchen Gipfels zu forcieren, damit er sofort stattfindet. Denn angesichts der Gefahren der militärischen Lage, der Gefahren der Pandemie und der Gefahren des Finanzsystems halte ich eine Verzögerung wirklich nicht für sinnvoll. Dieser Gipfel muß das annehmen, was Lyndon LaRouche mit seinen „Vier Gesetzen“ vorgeschlagen hat: eine globale Glass-Steagall-Bankentrennung; die Gründung einer Nationalbank in jedem Land; feste Wechselkurse zwischen diesen verschiedenen Nationen und klar definierte Infrastruktur- und Entwicklungspläne, die dann als ganzes zu einem Neuen Bretton-Woods-System werden können; und dann ein internationales Crash-Programm, um eine neue Stufe der Produktivität der Weltwirtschaft zu erreichen, indem man sich auf ein Crash-Programm zur Fusionsenergie, zur optischen Biophysik und anderen Biowissenschaften und zur internationalen Zusammenarbeit im Weltraum konzentriert.

Dies ist ein Moment außerordentlicher Gefahr, wir könnten die menschliche Zivilisation verlieren. Aber wenn sich genügend Kräfte auf der Welt zu unserer Mobilisierung zusammenschließen, um dieses neue Paradigma zu verwirklichen, dann kann dies auch der Beginn einer völlig neuen Epoche sein. Es gab einen Mann, der all diese Entwicklungen bereits im August 1971 vorgeschlagen und prognostiziert hat. Das ist mein verstorbener Ehemann Lyndon LaRouche, der schon als Nixon das System der festen Wechselkurse aufgab und den Dollar vom Goldstandard abkoppelte, gesagt hatte, wenn diese Tendenz sich fortsetzt, wird sie entweder zur Gefahr eines neuen Faschismus und einer Depression führen, oder es wird eine gerechte, neue Weltwirtschaftsordnung verwirklicht werden. Er hat auch Lösungen ausgearbeitet, was getan werden kann, die wir veröffentlicht haben und noch viel, viel mehr verbreiten werden.

Daher denke ich, daß die Rehabilitierung von Lyndon LaRouche – der von demselben Apparat, der das Russiagate und die Amtsenthebung Präsident Trumps betrieben hat, unschuldig ins Gefängnis geworfen wurde – der Schlüssel für die Umsetzung dieses Programms sein wird, das ich gerade genannt habe. Ob die Menschheit aus der gegenwärtigen Gefahr in eine neue Ära geführt werden kann, hängt meiner Meinung nach absolut von Lyndon LaRouche Rehabilitierung ab.

Deshalb appelliere ich an Sie alle, sich dem Kampf für die Rehabilitierung von Lyndon LaRouche und für die Umsetzung seiner Ideen anzuschließen. Das ist das Beste, was Sie tun können, um die Zukunft zu sichern.

© LaRouchePAC

Dennis Speed moderierte die Veranstaltung.

Dennis Speed (Moderator): Wer sitzt hier auf diesem Podium? Und was ist diesen Menschen geschehen? Was ist Lyndon LaRouche geschehen? Was ist Ihnen allen geschehen?

Die Leute reden gerne über etwas, das sie den „Tiefen Staat“ nennen. Das stört uns nicht, aber wir wissen, es ist weder ein Staat, noch ist es tief. Wir wissen – diejenigen von uns, die selbst beteiligt waren, in einigen Fällen seit Anfang der 70er Jahre, in anderen Fällen später –, daß damit eine imperiale Macht gemeint ist. Es ist eine imperiale Macht, die viele Menschen in Angst und Schrecken versetzt. Aber sie erschreckt sie vor allem deshalb, weil sie sich keinem rigorosen Denken im Dienste kühnen Handelns unterwerfen möchten. Das ist das einzige Problem.

Das Problem sind nicht die Geheimpolizei und die komischen Mikrochips, die seltsamen Drogen, die unterschwelligen Botschaften und alles andere. Entscheidend ist die Unfähigkeit, in sich selbst hineinzuschauen und zuzugeben, daß das Handeln von Menschen wie Martin Luther King oder Malcolm X oder John F. Kennedy nur charakteristisch dafür ist, wie wir alle handeln müssen, bezogen auf das, womit wir seit den 1960er Jahren insbesondere in Bezug auf die Vereinigten Staaten konfrontiert sind. Es hat seinen Ursprung nicht in Amerika, aber man wird es nur lösen, wenn die Menschen in Amerika sich entscheiden, zu handeln.

Wir beginnen heute mit jemandem, den die meisten von Ihnen kennen, er und sein Mitarbeiter Kirk Wiebe kämpfen seit 20 Jahren, um eine wahre Geschichte zu erzählen. Sie erzählen diese Geschichte seit 20 Jahren und kämpfen seit 20 Jahren dafür, andere zum Aufstehen zu bewegen. Es ist wichtig zu betonen, daß es im amerikanischen Militär und im militärischen Geheimdienst eine Strömung gibt, die patriotisch ist. Das ist eine Strömung, die die Vereinigten Staaten verteidigen wollte, und die auch bestimmte Arten von Technik nutzen und technische, sogar wissenschaftliche Durchbrüche im Namen der Nutzung von Technologie für positive Zwecke erzielen wollte.

William Binney, ein ehemaliger Geheimdienstbeamter der Nationalen Sicherheitsbehörde (NSA), versuchte dies über einen Zeitraum von mehr als 30 Jahren und wurde in einem kritischen Moment, vor dem 11. September 2001, daran gehindert, seine Arbeit zu tun. Die Vereinigten Staaten haben dafür einen hohen Preis gezahlt. Und vor diesem Verbrechen kann man nicht davonlaufen.

Aber es reicht nicht aus, darüber zu sprechen, ob die Flugzeuge echt waren oder wie die Gebäude einstürzten oder alle die anderen Dinge. Wir müssen uns mit etwas anderem auseinandersetzen: Wir müssen uns dem stellen, was gerade jetzt mit uns geschieht, unabhängig von der Parteizugehörigkeit oder den Überzeugungen. Wir müssen uns mit der Tatsache auseinandersetzen, daß etwas mit uns allen geschieht, und es liegt in unser aller Verantwortung, den Menschen zuzuhören, die uns sagen können, was das ist, und zwar so, daß dann jeder die Verantwortung übernehmen kann, die viele von uns oder besser alle übernehmen sollten!

Bill hat vor drei Jahren in [der New Yorker Veranstaltungshalle] Symphony Space zu mehreren Versammlungen gesprochen, darunter auch zu einer in diesem Saal, und wir freuen uns, ihn heute hier bei uns zu haben. Ich möchte Sie also ohne viele weitere Worte bitten, mit mir den NSA-Whistleblower William Binney willkommen zu heißen. [Applaus.]

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William Binney, ehem. technischer Direktor der NSA.

William Binney

William Binney: Danke. Wie Dennis angedeutet hat, entschied sich unsere damalige Regierung für die Massensammlung [von Informationen], im Wesentlichen aus zwei Gründen. Der eine kam von Dick Cheney: Er wollte alles über alle seine potentiellen politischen oder anderen Gegner wissen. Das bedeutete, daß er Informationen über alle haben mußte. Die Massendatensammlung befriedigte also in dieser Hinsicht sein Bedürfnis. Und in der anderen Hinsicht, was die Regierungsbürokratie betrifft, neigen Bürokraten dazu, immer größere Budgets und immer größere Organisationen zu beanspruchen, das bedeutet immer mehr Geld und immer mehr Einfluß. Wenn man sich für diese Massenabschöpfung von Informationen über alle entscheidet, damit man Cheneys Bedürfnisse befriedigen kann, dann erfordert dies auch, daß der Kongreß viel mehr Geld zur Verfügung stellt, damit man entsprechend seine Bürokratie aufbauen kann. Das waren, glaube ich, die grundlegenden Beweggründe.

Aber sie wußten auch von Anfang an, daß es eine andere Lösung gab, die wirklich nützlich gewesen wäre. Denn wenn man alle Informationen sammelte, bedeutete das, daß man die Bedrohungen nicht kommen sah, weil es einfach viel zu viele Daten gab. Deshalb konnten sie auch keinen der Terroranschläge verhindern, die sich irgendwo auf der Welt ereignet haben – weil alle diese Methoden übernommen haben und so die Bedrohungen nicht kommen sehen konnten. Dies wird dokumentiert in den internen NSA-Unterlagen, die Edward Snowden veröffentlicht hat, und auch in den Aufzeichnungen des MI5 und MI6 sowie in einigen Aufzeichnungen des GCHQ. Die besagen, daß ihre Analysten ihnen erklären, daß es zu viele Daten gibt: „Ihr ertränkt uns in Daten, ihr überlastet uns. Wir können die Bedrohung nicht kommen sehen.“

Allein schon aus diesem Grund sollte man es nicht so machen. Aber der eigentliche Punkt ist, daß die Lösung schon die ganze Zeit existierte. Wir haben sie in dem Programm Thin Thread („Dünner Faden“) entwickelt. Das hatte im Grunde drei Grundsätze: ein deduktiver Ansatz, ein abduktiver Ansatz und ein induktiver Ansatz.

Für den deduktiven Ansatz haben wir uns einfach Organisationen angesehen, die nur einen Schritt von den bekannten Kriminellen entfernt waren, und wir haben diese Daten verwendet, um Informationen, und zwar nur diese, aus dem Datenfluß, den wir betrachteten, herauszuziehen. Dabei geht es um einige Terabyte pro Minute oder so, und wir wollten diese Zahl auf etwa 20 Terabyte pro Minute steigern. Das war unser Ansatz. Das war die deduktive Seite: Das betraf den Charakter des menschlichen Verhaltens, der uns einen hinreichenden Verdacht lieferte. Wer mit einem Terroristen in Kontakt tritt, der muß untersucht werden, das ist in einer richterlichen Anordnung leicht zu rechtfertigen.

Bei der induktiven Herangehensweise haben wir uns einfach darauf beschränkt, Webseiten zu untersuchen, die für Pädophilie werben, oder Webseiten, die für Terrorismus oder Gewalt gegen den Westen oder für den Bau von Bomben oder ähnliches werben. Man kann versuchen, Menschen zu beobachten, die diese Seiten besuchen, um sich die Häufigkeit dieser Besuche anzusehen und daraus zu schließen, daß sie wahrscheinlich radikalisiert sind oder dabei sind, sich zu radikalisieren.

Oder da sind Leute, die in den Bergen Afghanistans Mobiltelefone oder Satellitentelefone haben, in den afghanischen Bergen oder im Dschungel Perus. Und man schließt daraus, daß das möglicherweise Drogenhändler oder Terroristen sind. Und man sieht sich solche Dinge an. Das ist die Methode beim induktiven Ansatz.

Mit diesen beiden Ansätzen hätten wir seitdem jeden Terroranschlag in der Welt erfaßt – vor, während und nach dem 11. September – jeden! Aber haben wir das getan? Nein, denn das ist ja nur ein gezielter, disziplinierter, professioneller Zugriff auf die Daten und gegen schlechtes Verhalten von Personen, das auf potentielle Bedrohungen hinweist.

Der abduktive Ansatz ist etwas abstrakter; er besagt, daß man die geographische Verteilung betrachtet. Wenn es ein verdächtiges Netzwerk gibt, das in Ländern verteilt ist, die in terroristische Aktivitäten oder ähnliches verwickelt sind, muß man sie daraufhin untersuchen, ob sie Terroristen sind oder in irgendeiner Weise mit einem Terroranschlag oder einer kriminellen Organisation in Verbindung stehen. Wenn sie das nicht sind, nimmt man sie heraus und sagt einfach, sie sind raus, und läßt die restlichen Daten einfach unbeachtet.

Das hat zur Folge, daß jeder Mensch auf der Welt seine Privatsphäre hat. Man respektiert die verfassungsmäßigen und persönlichen Rechte eines jeden in unserem Land und in jedem Land der Welt. Außerdem schafft es ein extrem reichhaltiges Umfeld für Analysten, um Bedrohungen und potentielle feindliche Angriffe erfolgreich zu verhindern. Das ist der ganze Sinn des Thin-Thread-Programms, denn schon damals wurden unsere Analysten mit Daten überhäuft.

Der Kernpunkt ist hier die Datenspeicherung der NSA. Denn unser Land ist das einzige Land auf der Welt, das sich eine Datenspeicherung leistet, die alle gesammelten Informationen speichern kann. Sie sammeln mehrere Petabytes (1015) pro Tag. Meine Schätzung allein des Speicherplatzes in Utah basierte auf den Cisco-Routern, die dort installiert sind, und diese Schätzung besagt, daß schon 2015 jährlich 966 Exabyte (1018) an Daten in dieses Rechenzentrum gelangt sind. Ich nehme an, daß sie für mindestens fünf Jahre Speicherkapazität haben mußten, was fünf Zettabytes (1021) bedeutete, also viel weniger als ein Yottabyte (1024), aber immerhin eine Menge. Das ist ein Haufen Bytes. Über ein Yottabyte hinaus gibt es noch keine Bezeichnung.

Aber der entscheidende Punkt ist, daß die NSA hier das Schlüsselelement ist, denn sie ist eine Speichereinrichtung nicht nur für die NSA, sondern für alle Behörden der amerikanischen Regierung, für alle „Fünf Augen“ [USA, Kanada, Großbritannien, Australien, Neuseeland] und die neun anderen Länder, die mit ihnen an dieser weltweiten Datensammlung und Massenerfassung von Daten über jeden Menschen auf dem Planeten teilnehmen. Und alles, was wir eigentlich tun müßten, wäre nur, unsere eigenen Regeln – deduktive, induktive und abduktive – anzuwenden und die gesamte gespeicherte Datenbank verarbeiten, und nur das herausziehen, was relevant ist, und den Rest löschen. Ab dem Zeitpunkt wären keine Daten mehr verfügbar, die irgend jemand in der US-Regierung oder in der britischen Regierung oder sonstwo gegen die eigene Bevölkerung verwenden könnte. Sie könnten also nicht mißbraucht werden. Damit wäre das Problem behoben. Das würde bedeuten, daß das FBI, die [Drogenbekämpfungsbehörde] DEA, das Justizministerium oder sonst irgend jemand aus dem Geheimdienst, aus den Fünf Augen oder aus einem anderen Bereich nicht in diese Datenbank gehen und Informationen über einen einzelnen Bürger finden kann – es sei denn, es gibt einen hinreichenden Verdacht und nach gerichtlicher Anordnung gefundene Beweise gegen diesen Bürger. Das ist der Weg, dieses ganze Problem zu lösen, und zwar ziemlich schnell. Denn wenn man diese Daten einmal entfernt hat, dann kann sie auch niemand mehr mißbrauchen.

Kirk Wiebe

Speed: Lassen Sie mich sagen, daß wir eine ausführliche Diskussion haben werden, so daß jeder, der bestimmte Fragen hat, diese Fragen stellen kann. Bill hat uns gerade die Lösung präsentiert, darum hatten wir ihn gebeten.

Als nächstes werden wir von Kirk Wiebe hören. Ich glaube nicht, daß viele Leute viel über Kirk wissen, deshalb sage ich nur folgendes: Er und Bill und ein anderer Gentleman namens Ed Loomis haben das sogenannte „Thin-Thread-System“ entwickelt, auf das sich Bill gerade bezogen hat. Ich lasse Ihnen Kirk ein wenig davon erzählen; er hat eine sehr spezifische Ansicht über das Verhältnis zwischen den Geheimdiensten und der Verfassung. Kirk?

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Kirk Wiebe, ehem. Mitarbeiter der NSA.

Kirk Wiebe: Hallo. Vielen Dank, Dennis, und danke der LaRouche-Organisation, daß sie dies möglich gemacht und uns eingeladen hat, vor diesen netten Leuten hier vor uns zu sprechen.

Viele Leute wissen es nicht, aber die Nationale Sicherheitsbehörde (NSA) – und ich werde auf ihr herumhacken, weil ich dort lange mit Bill gearbeitet habe – hat in etwa 70% der Zeit, in der sie auf der Erde existiert, verfassungswidrig gehandelt.

Was meine ich damit? Nun, die Verantwortlichen – nämlich die Exekutive, also die gesetzgebenden Organe der Regierung – haben eine Kabale gebildet, ein Kartell, wenn Sie so wollen, das beschlossen hat, die Welt massenhaft zu überwachen, die Informationen irgendwo in eine große Datenbank zu stopfen und zu behaupten, daß sie Ihre verfassungsmäßigen Rechte damit nicht verletzen. Denn sie sagen: „Ja, wir haben das gesammelt“ – obwohl sie es nicht offen zugeben wollen – „aber wir haben es nicht angesehen. Und wenn wir es nicht angeschaut haben, hat es für keinen Beamten in der Regierung etwas bedeutet.“

Wenn wir nun in das späte 18. Jahrhundert zurückdenken, kurz vor dem Ausbruch unseres berühmten Revolutionskrieges, so ist dokumentiert, daß König Georg von England einen Rotrock, einen britischen Soldaten, in das Haus jedes Kolonialsiedlers in den Vereinigten Staaten stecken wollte. Und warum, glauben Sie, wollte er das tun? Sie kennen die Antwort: Er wollte wissen, was sie dachten und taten.

Ich möchte Sie auf etwas aufmerksam machen, mit allen diesen elektronischen Geräten. Wenn ich jemanden von Ihnen frage: „Wie viele elektronische Geräte hat Ihre Familie, die mit dem Internet verbunden sind? Ich weiß, daß es mehr als ein Gerät ist; eher vier. Oder was meinen Sie – noch mehr? Da bin ich Ihrer Meinung. Der Punkt ist folgender: Jedes davon ist eine Informationsquelle über Sie und Ihre Familie. Jedes Detail, jeder Gedanke, der über diese Geräte übermittelt wird, kann gesammelt und in eine Datenbank aufgenommen werden. Und wenn jemand entscheidet, daß Sie aus irgendeinem Grund wichtig sind – es könnte alles sein; jemand will Sie erpressen, jemand will Sie betrügen. Der einzige Unterschied zwischen einem guten und einem schlechten Menschen in der Regierung ist was? Ja, wirklich, es ist eine günstige Gelegenheit. Haben wir etwas, was wir als moralische Klarheit bezeichnen würden? Gibt es darüber hinaus ein Verständnis, was in diesem Land richtig und falsch läuft? Sein Gründungsdokument ist die Verfassung der Vereinigten Staaten, aber interessiert sie das?

Nun, ich möchte Ihnen sagen, daß in den Nachrichten über Ereignisse berichtet wird, die sich abspielen, den Angriff, bei dem die Ressourcen der Geheimdienste als Waffen eingesetzt wurden, um einen ordnungsgemäß gewählten Präsidenten zu untergraben. Wenn das keine Warnung ist, was glauben Sie, was sie irgendjemandem von Ihnen antun könnten? Oder drei von Ihnen? Oder Bill und mir? Oder irgendjemand anderem?

Die Bedrohung ist also real. Es wurde mißbraucht, und schuld daran sind Leute, die machthungrig sind. So hat es nicht angefangen; es hat ehrenhaft begonnen. Aber jetzt sind wir an einem Punkt angelangt, an dem die Menschen beschlossen haben, daß sie es besser wissen, daß sie am besten wissen, wie sie unser aller Leben in den Griff bekommen können. Und es ist nicht mehr nur die NSA. Google weiß, was Sie tun; Facebook weiß, was Sie tun; Instagram weiß, was Sie tun. Es breitet sich überall aus, und jetzt haben wir das Internet der Dinge, wo sogar Ihr Kühlschrank mit dem Internet sprechen kann. Es ist lächerlich. Unser ganzes Leben steckt in einer Datenbank.

Der Punkt ist, wie Bill vorgeschlagen hat, daß es einen Weg gibt, den Geist wieder in die Flasche zu sperren. Aber Sie müssen das möglich machen. Erwarten Sie nicht, daß ein Senator oder Kongreßabgeordneter das tut. Mit Ausnahme von CIA-Chef Pompeo, der Bill einlud, über den DNC-Datenhack zu sprechen, hat sich kein Regierungsmitglied jemals an ihn oder mich gewandt und gefragt: „Würden Sie mit ein paar Kongreßabgeordneten über die Geschehnisse sprechen? Über Ihre Ideen zur Behebung des Problems?“ Nein! Warum nicht? Es gefällt ihnen so wie es ist. Unsere Daten sind für jeden in 16 Behörden der Geheimdienste und Strafverfolgungsbehörden verfügbar. Das ist die Bedrohung, und nur wir können das ändern. Ich danke Ihnen.

Michael Billington

Speed: Danke, Kirk. Wir werden jetzt von Mike Billington hören, und Mike wird Ihnen ein wenig über sich selbst erzählen. Er ist, wie hier in Ihrem Programm aufgeführt, Asien-Redakteur des Executive Intelligence Review. Er ist Autor eines Buches mit dem Titel Reflections of an American Political Prisoner („Betrachtungen eines amerikanischen politischen Gefangenen“). Mike wurde – ich sage das, und er muß es sagen – nach zwei Prozessen ein Angebot gemacht. Nachdem er in einem Verfahren zwei oder drei Jahre abgesessen hatte, bot man ihm eine Einigung an, die bedeutet hätte, daß er seine Zeit abgesessen hätte und nicht länger ins Gefängnis müßte. Dafür hätte er sich nur für etwas schuldig bekennen müssen, dessen er nicht schuldig war. Viele seiner Freunde wären dann in große Schwierigkeiten gekommen. Und Mike entschied: „Wissen Sie was? Ich denke nicht, daß ich das tun werde.“ Obwohl sein eigener Anwalt darum bat, abgelöst zu werden, und obwohl Mike ihn ablösen wollte, lehnte der Richter in diesem Fall dies ab; und Mike wurde zu 77 Jahren Haft verurteilt. Davon hat er acht Jahre abgesessen. Ist das der Preis, den man in diesem Land für Integrität bezahlen muß?

Wenn das so ist, dann schlage ich Ihnen vor, daß Sie, während Sie ihm zuhören, darüber nachdenken, ob das die Art von Land ist, in dem Sie leben wollen. Mike Billington.

© LaRouchePAC

Michael Billington, ehem. politischer Gefangener.

Michael Billington: Danke, Dennis. Wenn jemand von Ihnen das Gefühl hat, daß die Forderung nach Lyndon LaRouches Rehabilitierung ein Hirngespinst ist oder daß Trump das sowieso niemals tun würde, dann möchte ich, daß Sie sich das aus Ihrem Kopf schlagen. Und ich will versuchen, das zu begründen.

Dies ist ein seltener Moment in der Geschichte, aus vielerlei Gründen. Aber einer der Gründe, auf den ich eingehen werde, ist, daß dies tatsächlich der Zeitpunkt ist, an dem LaRouches Rehabilitierung möglich und absolut notwendig ist und nicht nur das ganze Land, sondern auch die Welt für immer verändern wird. Und ich möchte versuchen, dies so klar wie möglich zu vermitteln.

Beginnen wir mit der Tatsache, daß Donald Trump erst letzte Woche elf Personen begnadigt oder ihre Strafen umgewandelt hat. Einige von ihnen waren, ebenso wie ich und meine Mitangeklagten, unschuldig und wurden illegal und ungerechtfertigt angeklagt und vor Gericht gestellt und ins Gefängnis geworfen. Andere begingen zwar Verbrechen, wurden aber zu unglaublichen Strafen verurteilt, nicht nur, um sie zum Schweigen zu bringen, sondern auch, um andere einzuschüchtern. Die Tatsache, daß Trump dies getan hat, und daß er auch ganz öffentlich und ausführlich das Thema Roger Stone angesprochen hat und dazu sagte: „Er wird wahrscheinlich auf die eine oder andere Weise rehabilitiert werden“, bedeutet, daß dies Donald Trump sehr am Herzen liegt. Und ich möchte erwähnen, daß Roger Stone – der Lyndon LaRouche öffentlich als einen der größten Köpfe des 20. Jahrhunderts bezeichnete, ihn interviewt hat, auf unseren Konferenzen gesprochen hat – dem kriminellen Netzwerk im Strafrechtssystem, das die ganze Operation gegen Trump, gegen Roger Stone und andere organisiert hat, sehr gut bekannt ist. Und ich werde darauf zurückkommen.

Eine der von Donald Trump freigelassenen Personen war Rod Blagojevich. Leider habe ich den Text, den ich Ihnen vorlesen wollte, nicht zur Hand. Aber ich will Ihnen in aller Kürze etwas von dem vermitteln, was er an dem Tag sagte, als er freikam, als er und seine Frau und seine beiden Töchter sich vor seinem Haus trafen. Er sagte zunächst, man könne Präsident Trump nicht genug dafür danken, daß er einen Mann von einem Vorwurf befreit hat, dessen er nicht schuldig war; dafür könne man nicht genug danken. Trump sei ein sehr standfester, sehr zäher Staatsführer, aber er habe auch ein großes Herz. Und diese Freilassung von Blagojevich sei ein Akt der Güte, den die Menschen anerkennen müßten.

Dann wandte er sich an die Menschen in Illinois, die ihn zweimal zum Gouverneur gewählt hatten: „Ich habe Sie nicht im Stich gelassen. Ich hätte Sie enttäuscht, wenn ich nachgegeben hätte, wenn ich meine Schuld für etwas zugegeben hätte, das ich nicht getan habe, und mitgemacht hätte, um mir diese 14jährige Haftstrafe zu ersparen“ – von der er acht Jahre absaß. Dann zitierte er einen Richter des Obersten Gerichtshofs, Richter Breyer, der sagte, die Vorstellung, daß Menschen in der Politik und der politischen Welt für das, was sie als Politiker tun sollen, strafrechtlich verfolgt werden könnten, sei eine der größten Bedrohungen für das heutige Amerika. Das sagt ein Richter des Obersten Gerichtshofs. Und insbesondere sagte er: „Staatsanwälte, die mit diesem Potential bewaffnet sind, stellen eine ernste Gefahr für unser Regierungssystem dar.“ Und Blagojevich sagte, er habe das auf die harte Tour gelernt – wie viele von uns.

Aber ich denke, es ist äußerst wichtig, daß es Leute auf dieser Ebene gibt, die sich direkt mit dem kaputten Strafrechtssystem befassen, das, wie er ausdrücklich sagte, seit 1994 existiert, als dieses Strafrechtsgesetz verabschiedet wurde, was eine Katastrophe war. Er nannte es eine rassistische und illegale Handlung.

Der Fall LaRouche

Lyndon LaRouche wurde lange vorher verurteilt und verbüßte von 1990-95 fünf Jahre einer 15jährigen Haftstrafe. Präsident Clinton hätte ihn rehabilitieren können, Clinton zog das in Erwägung. Buchstäblich Zehntausende maßgebliche Bürger unseres Landes und aus der ganzen Welt schrieben an Clinton und forderten ihn auf, Lyndon LaRouche zu begnadigen und zu rehabilitieren; aber er tat es nicht. Er sorgte jedoch dafür, daß LaRouche zum frühestmöglichen Zeitpunkt nach fünf Jahren auf Bewährung freigelassen wurde. Also verbüßte er fünf Jahre dieser 15jährigen Strafe.

Nach seiner Freilassung organisierte er hier in Virginia ein Forum vor einem Gremium hochangesehener Juristen, führender Politiker und anderen, um über den Fall LaRouche und andere Fälle des Mißbrauchs des Strafrechtssystems auszusagen. Das war insbesondere der Fall „Frühmenschen“ [das FBI verwendete dieses deutsche Wort], das war die offizielle Doktrin des FBI, daß alle schwarzen gewählten Mandatsträger anfälliger für Korruption seien, einfach nur weil sie schwarz sind, und es daher legitim sei, gegen sie alle zu ermitteln. Ich möchte etwas von dem vorlesen, was Lyn selbst in seiner Zeugenaussage bei dieser Anhörung gesagt hat. Er sagte – und das war lange vor den 1990er Jahren und dem 11. September, das war in den 1980er Jahren:

    „Meiner Ansicht nach gibt es ein System des Unrechts, dessen Zentrum im Justizministerium liegt, speziell in der Strafrechtsabteilung des US-Justizministeriums. Das Problem liegt nicht bei der einen oder anderen Regierung, obwohl die eine oder andere Regierung positiver oder negativer agieren kann. Sie haben ständige Angestellte des öffentlichen Dienstes..., die Koordinatoren eines Nestes von Institutionen in der Strafrechtsabteilung sind, die bei jeder juristischen Greueltat, die ich gesehen habe, immer wieder als maßgebliche oder wesentliche Beteiligte auftauchen.

    Als in meinem Fall die Zeit kam, daß jemand mich aus dem Weg haben wollte, konnte er sich darauf verlassen, daß dieses permanente Unrechtssystem in der permanenten Regierungsbürokratie diesen Job erledigt... Es gibt immer diese Einheit innerhalb des Justizministeriums, die wie ein Auftragskiller im Auftrag arbeitet, wenn jemand mit den richtigen Zugangsdaten und Paßwörtern hereinkommt und sagt: ,Wir wollen diese Gruppe von Menschen fertigmachen‘ oder ,Wir wollen diese Person fertigmachen.‘ Und solange wir nicht diese korrupte permanente Bürokratie aus unserem Staatsapparat entfernen, die sich wie Auftragsmörder verhält und die Autorität der Justiz nutzt, um Attentate zu verüben, solange ist dieses Land nicht frei und niemand in diesem Land ist frei.“ [Applaus.]

Odin Anderson, Lyns Anwalt, stellte dann eine Reihe von Dokumenten vor, die wir nach dem Gesetz über Informationsfreiheit vom FBI erhalten hatten, und ich möchte nur kurz erwähnen, daß darin auch die Idee auftaucht, gefälschte Flugblätter unter dem Namen der LaRouche-Organisation zu verbreiten, was bis in die 1960er und 1970er Jahre zurückreicht. Dazu gehörte auch Henry Kissingers Brief an den Leiter des FBI, in dem er sagte: „Können Sie diesen Kerl nicht schnappen? Er ist unausstehlich.“ In einem Brief schreibt der FBI-Direktor einigen seiner Untergebenen, wir sollten gegen ihn [LaRouche] ermitteln – wir wissen nicht, woher sein Geld stammt, also ermitteln wir gegen ihn als jemand, der von einer ausländischen feindlichen Macht finanziert wird. Das setzt dann die Exekutivanordnung 12333 in Kraft, die praktisch besagt, wenn jemand von einer ausländischen feindlichen Macht finanziert wird, kann man die Verfassung über Bord werfen und tun, was immer man will. Und anderes in dieser Art. Es war also gut dokumentiert.

Dann sprach Ramsey Clark. Ramsey Clark, das wissen sicher die meisten von Ihnen, war der Justizminister der Vereinigten Staaten unter Präsident Johnson. Er wurde unser Anwalt für die Berufung, als wir zum ersten Mal in dem Bundesverfahren verurteilt wurden. In einem Brief an Janet Reno, die damalige Justizministerin – dieselbe Position, die er früher auch innehatte –, schreibt er folgendes:

    „Ich glaube, daß es sich bei diesem Fall um ein breiteres Spektrum von vorsätzlichem und systematischem Fehlverhalten und Machtmißbrauch über einen längeren Zeitraum handelt, um eine politische Bewegung und ihren Kopf zu vernichten, als in jedem anderen Bundesverfahren meiner Zeit oder meines Wissens... Eine tragische Mißgeburt der Justiz.“

In seiner Aussage bei derselben Anhörung, bei der auch Herr LaRouche sprach, sagte er:

    „Was das komplexe und umfassende Ausnutzen von Polizei-, Staatsanwalts-, Medien- und Nichtregierungs-Organisationen angeht, die sich auf die Zerstörung eines Feindes konzentrierten, muß dieser Fall an erster Stelle stehen... Als Zweck kann nur angesehen werden, sie völlig zu vernichten – nicht bloß eine politische Bewegung, mehr als eine politische Figur, das sind sie beides; aber vor allem sind sie ein fruchtbarer Motor von Ideen, ein gemeinsames Unternehmen des Denkens und Studierens und Analysierens zur Lösung von Problemen, unabhängig von den Auswirkungen auf den Status quo oder auf die eigenen Interessen. Es war eine bewußte Absicht, das um jeden Preis zu zerstören...“

Darum also ging es im Fall LaRouche, was viele Menschen zunehmend erkannten. Deshalb mußten sie ihn vernichten und versuchen, seinen Namen in den Medien anzuschwärzen, um zu verhindern, daß diese Ideen der amerikanischen und weltweiten Bevölkerung zugänglich gemacht werden.

Es ist offensichtlich, daß genau dasselbe Netzwerk auch gegen Donald Trump vorging. Ich glaube nicht, daß ich das erklären muß, es ist ziemlich offensichtlich.

77 Jahre Gefängnis

Was meinen eigenen Fall betrifft, so möchte ich, um darauf hinzuführen, erst noch etwas über Roger Stone sagen. Sie haben wahrscheinlich alle die große Razzia in Roger Stones Haus gesehen. Ein 66jähriger Mann ohne Vorstrafen wurde gegen fünf Uhr früh angegriffen; und natürlich stand CNN direkt dabei. Alle sahen, wie dieser schreckliche Verbrecher in Handschellen gefesselt und weggeschleppt wurde.

Nun, ich bin mit dieser Szene sehr vertraut. Am 6. Oktober 1986, dem Tag des „Great Panty Raid“ in Leesburg, wie wir sagen, überfielen bewaffnete Beamte vieler verschiedener Strafverfolgungsbehörden unsere Büros und umzingelten Lyndon LaRouches Haus. Und als meine Frau an diesem Morgen aufstand und den Müll die Straße hinuntertrug, sah sie eine ganze Reihe bewaffneter Männer in Polizeiautos – und CNN –, die bereit waren, hereinzukommen, aber aus irgendeinem Grund noch nicht hereinkamen. Also riefen wir unsere Nachbarn John und Renée Sigerson an, die zu dieser Zeit zufällig in unserer Nähe wohnten, und sagten: „Warum kommt ihr nicht vorbei, während wir warten, bis sie reinkommen und mich verhaften?“ Wir saßen also da und sahen uns Figaros Hochzeit auf einem Video an, als diese Männer schließlich beschlossen, mit gezogenen Waffen die Straße hinaufzurennen und das Haus zu umzingeln. Sie zogen mich heraus, fesselten mich und nahmen mich mit, und so weiter. Warum? Und CNN. Meine Frau kam heraus und sagte: „Verdammt nochmal, verschwinden Sie von meinem Grundstück, Sie haben kein Recht, hier zu sein.“

Das geschah damals und das geschieht auch heute noch. In meinem Fall war ein Teil des sogenannten „Tiefen Staats“ direkt beteiligt – ein Kerl namens Oliver North – einige von Ihnen erinnern sich sicher noch an ihn –, der damals die Iran-Contra-Operation durchführte, kriminelle Machenschaften, bei denen die USA Terroristen in Nicaragua bewaffneten. Und die Flugzeuge mit den Waffen, die zu ihnen hinuntergeschickt und abgeladen wurden – gerade so, wie die USA Waffen an Al-Kaida in Libyen verschifft haben und so weiter –, kamen mit Kokain beladen wieder zurück. Wir haben das aufgedeckt, daß es sich um eine Drogenoperation handelte und daß Oliver North – der gute Freund von Henry Kissinger und anderen – diese kriminellen Machenschaften durchführte. Dann fanden wir heraus, daß Ollie North außerdem auch riesige Geldsummen einsammelte, er stahl den Leuten wirklich riesige Summen. Er erzählte ihnen, daß er damit den Kommunismus bekämpfen und Amerika retten wollte und so weiter. In Wirklichkeit aber finanzierte er damit den Waffen- und Drogenhandel.

Eine der Personen, die sie betrogen haben, war eine Frau, die eine große Unterstützerin von uns war und mit der ich in regelmäßigem Kontakt stand. Oliver North sagte ihr, wir wären schlechte Menschen, die versuchen, ihre guten Werke zu untergraben; deshalb sollte sie zulassen, daß er ihr Telefon anzapft, was auch geschah. Sie haben unsere Anrufe abgehört. Das war nicht nur, um mich dranzukriegen, sondern auch, um genau zu wissen, was wir als Organisation zu dieser Zeit taten.

Ich glaube, das ist der Grund, warum ich von den Anklagen besonders hart getroffen wurde. Ich wurde sowohl im Bundesverfahren als auch im Verfahren des Bundesstaates Virginia angeklagt. Das „Schnellgericht“, wie wir es nannten, ging weiter; wir wurden alle verurteilt. Ich will nicht auf die häßlichen Details eingehen, aber es ist lesenswert. Und ich bekam drei Jahre Gefängnis im Bundesverfahren. Und dann sagte man mir, wie Dennis erklärt hat, in dem Landesverfahren, wo ich wegen Verbrechen angeklagt wurde, die bis zu 90 Jahre Gefängnis bringen könnten, daß ich einfach nur lügen müßte, und schon könnte ich nach Hause gehen.

Das ist nicht passiert. Und als Ergebnis bekam ich eine 77jährige Haftstrafe. Viele Leute, die ich im Gefängnis traf, fragten mich, wenn ich sagte, ich hätte eine 77jährige Haftstrafe: „Wie viele hast du umgebracht?“

Ich bin also nicht darauf eingegangen. Ich möchte etwas vorlesen, das Dennis [Speed] schon bei einer früheren Veranstaltung vorgelesen hat und das mich wirklich berührt hat, von Martin Luther King. Er sagte:

    „Du bist vielleicht 38 Jahre alt, so wie ich es zufällig bin. Und eines Tages steht eine große Gelegenheit vor dir und ruft dich auf, für ein großes Prinzip, ein großes Thema, eine große Sache einzutreten. Und du weigerst dich, das zu tun, weil du Angst hast... Du weigerst dich, es zu tun, weil du länger leben willst... Du hast Angst, weil du deinen Job verlierst, oder du hast Angst, daß du kritisiert wirst und dich unbeliebt machst, oder du hast Angst, daß jemand dich ersticht, auf dich schießt oder eine Bombe auf dein Haus wirft, also weigerst du dich, diesen Standpunkt zu vertreten. Nun, dann kannst du vielleicht weiterleben, bis du 90 bist, aber du wirst mit 38 Jahren genauso tot sein wie mit 90. Und wenn du zu atmen aufhörst, ist das nur die verspätete Bekanntgabe eines früheren geistigen Todes.“

Und ich kann Ihnen versichern, daß mein Leben der Beweis dafür ist. Denn ich mußte insgesamt zehn Jahre im Gefängnis verbringen. Aber ich kann ehrlich sagen, daß das die besten Jahre meines Lebens waren. [Beifall.] Mein einziges Problem mit meinen Mitgefangenen war, daß ich versuchte, sie davon zu überzeugen, daß dies die einzige Chance war, die sie im Leben hatten, wo sie nicht arbeiten und keine Familie versorgen mußten. Sie sollten lernen, sie sollten lesen, sie sollten nicht verkümmern und sich selbst bemitleiden. Aber mir wurde die Aufgabe übertragen, China zu studieren. Ich meine, 77 Jahre, und man hat 5000 Jahre Geschichte zu studieren – da braucht man 77 Jahre, um das zu übernehmen. [Lachen.]

Aber daraus wurde eine echte Leidenschaft. Es war etwas, das wir tun mußten. Mein Mitangeklagter Will Wertz übersetzte damals Nikolaus von Kues, das war der relativ unbekannte große Geist der europäischen Renaissancezeit. Und ich las damals Konfuzius und Menzius und eine andere relativ unbekannte, aber großartige Figur namens Zhu Xi, aus der Song-Dynastie im 12. Jahrhundert. Und ich sah den Vergleich zwischen dem, was ich von Kues las, und dem, was ich von diesen chinesischen Philosophen las, und konnte ein Gefühl dafür entwickeln, wie die große christliche Renaissance Europas und die konfuzianische Renaissance, mit Zhu Xi und Kues, die platonische und die konfuzianische Tradition erneuerten, die in den dunklen Zeiten in Europa wie auch in China verloren gegangen waren. Es war also eine große Chance für mich, wirklich große Entdeckungen zu machen, die mein Leben und durch meine Arbeit hoffentlich die Welt bereichert haben und diejenigen, die mich ins Gefängnis gebracht hatten, sehr traurig machten, weil sie mir die Gelegenheit dazu boten.

Gefangenenchor

Und zum Schluß möchte ich sagen, daß es eine besonders tiefgehende Erfahrung gab. Eine Zeitlang war einer meiner Mitangeklagten, Paul Gallagher, im selben Gefängnis wie ich, und wir gründeten einen klassischen Chor. Wir hatten also einen Chor von Leuten, von Kriminellen, darunter einige Schwerverbrecher, wie Kinderschänder und Mörder, die mit einer Ausnahme noch nie mit klassischer Musik zu tun gehabt hatten, denen klassische Musik völlig unbekannt war und die nie versucht hatten, zu singen. Aber wir hatten etwas Unterricht in Belcanto-Methoden gehabt, und wir begannen, sie zu trainieren. Wir sangen Bach, wir sangen Schubert, wir sangen Spirituals. Und vor allem sangen wir Beethoven.

Nun, wir sind im Beethoven-Jahr, unser Thema ist „So denken wie Beethoven“. Viele von Ihnen haben vielleicht gesehen, wie Helga Zepp-LaRouche vor zwei Wochen hier in New York von Deutschland aus ein Forum über Beethovens große Oper Fidelio gab, in der sich die Ehefrau Leonora als junger Mann verkleidet, als Fidelio, um für den Direktor eines Gefängnisses zu arbeiten, wo, wie sie vermutet, ihr Mann illegal und heimlich von einem Tyrannen festgehalten wird. Und im Laufe dieser Geschichte befreit sie schließlich ihren Ehemann. Das ist eine sehr eindrucksvolle Geschichte, und Sie können sich vorstellen, warum Helga diese Geschichte liebt, da Lyn zu dieser Zeit im Gefängnis war.

Und ich hatte eine ähnliche Erfahrung: Meine inzwischen verstorbene Frau reiste damals durch die Welt und traf sich mit Präsidenten und internationalen Gerichten und so weiter, um etwas gegen dieses Unrecht an Lyndon LaRouche zu tun.

Und eine Szene in dieser großartigen Oper ist der „Chor der Gefangenen“, in der Leonora/Fidelio den Gefängnisdirektor überredet, die Gefangenen einen Augenblick lang an die frische Luft zu lassen. Und sie kommen heraus und singen diesen Männerchor: „O welche Lust“, wieder frische Luft zu atmen. Und sie denken an die „Freiheit, Freiheit“. Aber dann erinnern sie sich daran, daß sie ständig beobachtet werden, und schleichen zurück in ihre Zellen.

Wir haben das im Gefängnis gesungen, und das Ganze, vor allem aber dieses Beethoven-Prinzip hatte eine tiefe Wirkung auf jeden einzelnen dieser Menschen. Und ich habe diese Geschichte schon einmal erzählt, und meistens kommen mir die Tränen, wenn ich sie erzähle: Jeder einzelne von ihnen kam irgendwann danach zu mir und versuchte auszudrücken, daß er so etwas Schönes auf der Welt noch nie gekannt hatte – geschweige denn, daß er daran teilhaben konnte, diese Schönheit zu erschaffen.

Als Lyndon LaRouche hier in New York das Manhattan-Projekt ins Leben rief, mit der Absicht, einen großen Chor zu schaffen, der sowohl das klassische Repertoire als auch die Spirituals singen sollte – denn die sind nicht nur Volksmusik oder Gospels, sondern Lieder, die vom Kampf für die Freiheit handeln und in diesem Sinne einen klassischen Charakter haben –, da verstand ich genau, was er meinte: Daß dies die Art und Weise war, wie wir die notwendige Bewegung für eine wahre Renaissance aufbauen können.

Das war schon immer das Motto des Schiller-Instituts, das Schillersche Motto: daß der Weg zur Wahrheit über die Schönheit führt. Das ist ein Beispiel dafür, warum wir diesen Chor aufbauen. Gestern Abend gab es einen Musikabend, und wie ich sehe, werden die Menschen, die an der Musik mitwirken, für unsere politischen Ideen rekrutiert. Durch die Teilnahme an solcher großer Kultur – die wir in Amerika verloren haben mit all dem Häßlichen, das jetzt als „Kultur“ gilt – schaffen wir auf diese Weise das Potential, den Verfall der Zivilisation, in der wir leben, umzukehren und tatsächlich das neue Paradigma zu schaffen, von dem Helga gesprochen hat.

Wenn wir es also möglich machen, daß LaRouche von einem Präsidenten Donald Trump rehabilitiert wird, der erreichen will, was LaRouche sagt, nämlich die Welt um diese mächtigen Ideen der Entwicklung, der Wissenschaft, der Zusammenarbeit und der großen Kultur herum zu einigen, dann werden diese schönen Ideen dieses brillanten Mannes jedermann zugänglich sein – etwas, was den Menschen in den letzten 40 oder 50 Jahren verwehrt wurde. Das war das eigentliche große Verbrechen der Hexenjagd gegen Lyndon LaRouche: daß verhindert wurde, daß diese Ideen bekannt werden und die Bevölkerung erheben.

Hier stehen wir also, und ich denke, das ist der Grund, warum wir diesen Kampf führen, um den Tiefen Staat oder den britischen Geheimdienst oder wie man es nennen will, anzuprangern und zu vernichten – diejenigen vernichten, die bewußt die Kultur zerstören wollen und die Wirtschaft und die Mitarbeit unserer Bürger an diesem Ziel, das in der Tat ein Neues Paradigma sein kann und muß. Ich danke Ihnen. [Beifall.]