Wahre Emanzipation bedeutet wirtschaftliche Souveränität
Von Timothy Ninsiima
Timothy Ninsiima ist Teilnehmer der regelmäßigen internationalen
Online-Jugendkonferenzen des Schiller-Instituts. Aus Kampala in Uganda
übermittelte er die folgende Videobotschaft an die Pariser Konferenz.
(Übersetzung aus dem Englischen.)
Es ist mir eine große Ehre, vor diesem Publikum in Paris und weltweit bei
dieser großartigen Zusammenkunft von Köpfen, die das Schiller-Institut
einberufen hat, zu einem Thema zu sprechen, das in den Köpfen der Afrikaner
immer aktuell ist: die Emanzipation Afrikas.
Viel zu lange schon ist Afrika arm und unterentwickelt, und seine Stimmen
werden nicht gehört. Unsere Bevölkerung wächst, aber unser Einfluß ist
lächerlich gering.
Die Studien zur potentiellen Bevölkerungsdichte in Uganda, die ich mit Frank
Shi und Asuka Burke durchführe, haben gezeigt, daß Bevölkerungswachstum kein
Fluch ist. Mit den wunderbaren Ressourcen, mit denen Gott uns gesegnet hat, kann
sich der Mensch anpassen und gedeihen. Es gibt keine Grenzen für Wachstum und
keine Notwendigkeit, die Bevölkerung zu reduzieren: Wir sind keine Tiere! Mit
Technologie, Energie im Überfluß und Ernährungssouveränität kann der Mensch
überleben und gedeihen.
Uganda, mein wunderschönes Land, steht an einem Wendepunkt. Wir sind heute 46
Millionen Menschen, und bis 2050 könnten wir die 100-Millionen-Marke erreichen.
Ist das eine Gefahr – oder ist es eine riesige Chance?
Ein Bevölkerungswachstum ohne entsprechendes Energiewachstum ist wie ein
Körper ohne Herzschlag. In Uganda herrscht immer noch Energiemangel, und Energie
ist das Lebenselixier der Entwicklung. Wir fällen Bäume als Brennstoff. Bei dem
gegenwärtigen Tempo könnten wir in 25 Jahren unsere gesamte Waldfläche
verlieren. Wir erzeugen nur 2000 Megawatt Strom, das entspricht der Leistung
eines einzigen Kraftwerks im US-Staat Michigan. Wie soll man damit
industrialisieren?
Und doch ist Uganda reich an Energiepotential. Der Nil und unsere vielen
anderen Flüsse könnten Zigtausende Megawatt Wasserkraft erzeugen. Im westlichen
Arm des Rift Valley liegen riesige geothermische Schätze, allein die Gebiete
Sempaya, Kitagata und Kibiro könnten über 2000 Megawatt produzieren.
Zudem sind wir reichlich mit Sonnenlicht gesegnet, mit einer
durchschnittlichen Sonneneinstrahlung von 5,1 Kilowattstunden pro Tag und
Quadratmeter. Unsere Uranvorkommen könnten ein 34.000-Megawatt-Kraftwerk
versorgen, und unsere fossilen sowie Seltenerd-Reserven können der Motor für
unsere heutigen Energiesysteme wie auch für die Technologien der Zukunft
sein.
Nichts spricht dagegen, daß Uganda und andere afrikanische Länder ins
Atomzeitalter eintreten. Mit geeigneten Partnerschaften und
Sicherheits-Rahmenbedingungen unter der Internationalen Atomenergie-Organisation
könnten kleine modulare Reaktoren unsere Grundlastversorgung sichern und
Industrie, Innovation und Wohlstand befeuern.
Um bis Mitte des Jahrhunderts eine Bevölkerung von 100 Millionen Ugandern zu
versorgen, müssen wir eine installierte Leistung von 20 bis 30 Gigawatt
anstreben, vielleicht sogar 100 Gigawatt. Unser Öl- und Gassektor, unsere
Megaprojekte wie die Ostafrikanische Rohöl-Pipeline (East Africa Crude Oil
Pipeline, EACOP), Kernenergie und saubere Energie müssen koexistieren, um unsere
energiepolitischen Herausforderungen zu bewältigen.
Das ist keine Utopie, sondern eine Notwendigkeit. Eine junge und wachsende
Bevölkerung muß in die Lage versetzt werden, zu arbeiten, innovativ zu sein und
zu produzieren, anstatt zu migrieren. Wir sind es leid, daß unsere Brüder und
Schwestern beim Überqueren der Meere sterben.
Aber dafür braucht man ein neues Paradigma: eine Partnerschaft zwischen
Afrika und der Globalen Mehrheit auf Augenhöhe. Afrika darf kein bloßer
Exporteur von Rohstoffen und Importeur von Fertigprodukten bleiben. Wir brauchen
Zugang zu Technologie statt eines „grünen” Neokolonialismus, der uns diesen
Zugang verwehrt. Wie Helga Zepp-LaRouche im zweiten ihrer zehn Prinzipien für
eine neuen internationale Sicherheits- und Entwicklungsarchitektur betont, muß
die absolute Priorität darin bestehen, die Armut in allen Ländern durch den
Einsatz verfügbarer Technologien zu lindern.
Das, meine Damen und Herren, ist wahre Emanzipation: wirtschaftliche
Souveränität, angetrieben durch Wissenschaft, Technologie und menschliche
Kreativität.
Stabilität und Fortschritt auf der Welt sind nur mit einem starken,
industrialisierten und selbstständigen Afrika möglich – einem Afrika, das
energieautark und souverän ist.
Laßt uns also zusammenarbeiten – nicht aus Wohltätigkeit, sondern mit einem
gemeinsamen Ziel – und aus Ugandas Energieressourcen eine Kraftquelle für die
Globale Mehrheit machen. Vielen Dank.
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