Was wir von Pater Bury lernen sollten
Von José Vega
José Vega, ein führendes Mitglied der LaRouche-Jugendbewegung,
kandidiert im 15. Kongreßbezirk von New York (Bronx) für das
US-Repräsentantenhaus. Im dritten Abschnitt der Pariser Konferenz der Solidarité
et Progrès (S&P) und des Schiller-Instituts am 8. November sagte er
folgendes. (Übersetzung aus dem Englischen.)
Meine Freunde, es ist schön, heute zum zweiten Mal zu Ihnen sprechen zu
dürfen. Mein Name ist José Vega und ich kandidiere für das
US-Repräsentantenhaus, für den US-Kongreß. Der Bezirk, in dem ich kandidiere,
ist der 15. Kongreßbezirk. Er gilt als der ärmste Kongreßbezirk im ganzen Land –
und das in New York City, einer Stadt, von der sicherlich viele schon gehört
haben, wo die Wall Street ist, das Zentrum des Welthandels. Es ist der Ort in
den Vereinigten Staaten, wo die Kinderarmut am höchsten ist und die meisten
Menschen unterhalb der Armutsgrenze leben.
Es ist aber auch die Heimat eines der am wenigsten bekannten, aber dennoch
sehr wichtigen Gründerväter, Gouverneur Morris. Tatsächlich ist Morris der
Verfasser des Dokuments, das wir die Verfassung nennen – und das ist
wahrscheinlich der Grund dafür, daß die Oligarchen dafür sorgen, daß niemand ihn
kennt.
Nun bin ich also hier in Paris – eigentlich ähnlich wie Morris, der 1792
Botschafter in Frankreich war. Er kam hierher, um das Beste der damaligen
französischen intellektuellen Kultur zu würdigen und um Frankreich vor der Sünde
zu bewahren, daß seine Revolution scheitert.
Ich bin nicht hier, um Frankreich vor einer bestimmten Sünde zu bewahren,
sondern ich möchte Ihnen etwas von meiner Heimat mitbringen und von den
Menschen, mit denen ich zu tun habe.
Ich möchte Ihnen allen von Pater Harry Bury erzählen. Er ist seit 70 Jahren
katholischer Priester, er ist jetzt 95 Jahre alt. Man nennt ihn den
„unkonventionellen Priester”. Ich bin sicher, er wäre zu dieser Konferenz
gekommen, wenn es ihm möglich wäre. 1971 haben er und drei andere Amerikaner
sich auf Wunsch einiger Vietnamesen an das Tor der US-Botschaft in Saigon
gekettet, um gegen den Vietnamkrieg zu protestieren. Das erforderte echten Mut,
viel mehr Mut, als wenn ich und andere bei Veranstaltungen intervenieren. 43
Jahre später, 2014, wurde Pater Bury für seine Bemühungen um die Beendigung des
Vietnamkriegs die Ehrenbürgerschaft von Ho-Chi-Minh-Stadt verliehen.
Vor zwei Monaten reiste Pater Bury zu den Vereinten Nationen, um sich gegen
Völkermord auszusprechen. Danach reiste er in die Bronx, um die Schwestern von
Mutter Teresa zu besuchen. Mutter Teresa hat damals dieses Zentrum in der Bronx
gegründet, weil sie sagte, im Grunde sei es wie Kalkutta. Und ich stimme ihr zu.
Ich nenne die Bronx „Gaza West”. Und der Oasenplan [für Südwestasien], den
Lyndon LaRouche vorgeschlagen hat, ist derselbe Ansatz, der überall verfolgt
werden muß, auch in der Bronx.
Als wir die Schwestern besuchten, interviewten wir Pater Bury im Garten des
Klosters der Schwestern in der Bronx, Kynan Thistlethwaite hat das Interview
geführt. Ich hörte zu, wie Pater Bury von seinen Lebenserfahrungen und seiner
Hingabe an seine Mission erzählte. Es war offensichtlich, daß sein Engagement
für echte Freiheit und seine Liebe zu allen Menschen mit 95 Jahren noch genauso
stark war wie zu Beginn seiner Priesterlaufbahn.
Pater Bury ist ein lebendes Beispiel für den Zusammenfall der Gegensätze. Was
meine ich damit?
Nun, lassen Sie mich Ihnen ein Paradox vorstellen. Dies ist ein Zitat von
Martin Luther King: „Sie sind vielleicht 38 Jahre alt, so wie ich. Und eines
Tages bietet sich Ihnen die große Chance, sich für ein großes Prinzip
einzusetzen, für eine große Sache, ein großes Anliegen. Aber Sie weigern sich,
sie zu nutzen, weil Sie Angst haben... Weil Sie länger leben wollen... Sie haben
Angst, Ihren Job zu verlieren, oder Sie haben Angst, kritisiert oder unbeliebt
zu werden, oder Sie haben Angst, daß jemand Sie erstechen, erschießen oder Ihr
Haus in die Luft sprengen könnte. Also weigern Sie sich, Stellung zu beziehen.
Nun, Sie mögen vielleicht weiterleben, bis Sie 90 sind, aber mit 38 sind Sie
genauso tot wie mit 90. Und das Aufhören des Atmens in Ihrem Leben ist nur die
verspätete Ankündigung eines früheren Todes des Geistes.“
Nun, hier ist ein Mann, der 95 Jahre alt ist, aber seine Seele ist genauso
lebendig wie damals, als er als junger Mann sein Leben dem Priesteramt
widmete.
Pater Bury stellte auch das versammelte Publikum bei den Vereinten Nationen
vor eine Herausforderung mit seiner These, daß es keine bösen Menschen gibt. Er
sagte, er versuche stets, seine eigenen Annahmen zu hinterfragen, und rief alle
auf, die eigenen Annahmen zu hinterfragen. Das ist sein Dialog mit Helga
Zepp-LaRouche über ihre Zehn Prinzipien. Das sollte auch unser Dialog mit uns
selbst sein.
Schließlich ist da noch Burys provokante Reaktion auf die Rede des Papstes,
als er nämlich sagte, Nikolaus von Kues sei wie Lyndon LaRouche und umgekehrt.
Er forderte, Nikolaus von Kues heilig zu sprechen wie Mutter Teresa und
LaRouches Ideen aus dem Gefängnis zu befreien wie die von Cusanus.
Bedenken Sie: Das ist ein Mann, der sich in Gaza [an der Frontlinie] zwischen
Palästinenser und Israelis stellte und im Rahmen von Verhandlungen kurzzeitig
von der Hamas festgehalten wurde. Er setzt sein Leben aufs Spiel – so wie die
Menschen, die die Vereinigten Staaten gegründet haben. Und ein Mensch, der so
lebt, bleibt für immer jung.
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