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Schiller-Institut e. V.
"Zweck der Menschheit ist kein anderer als die
Ausbildung der Kräfte des Menschen, Fortschreitung."
Friedrich Schiller

 

Schiller-Institut veranstaltet Forum zur Lage Deutschlands

Ein Online-Seminar des Schiller-Instituts diskutierte darüber, wie der freie Fall der deutschen Wirtschaft gestoppt werden kann.

„Der freie Fall der deutschen Wirtschaft muß gestoppt werden! Deutschland muß vor dem Ausverkauf gerettet werden!“ lautete der Titel eines Online-Seminars des Schiller-Instituts am 1. September. Die Gründerin des Schiller-Instituts, Helga Zepp-LaRouche, hielt die Eröffnungsrede und fungierte zudem als Moderatorin. Ziel des Seminars sei es, erklärte sie zu Beginn, in allen Institutionen und Schichten der Gesellschaft eine Diskussion über Lösungen für die tiefe Krise in Deutschland anzustoßen. Es entwickelte sich eine außerordentlich lebendige Veranstaltung. Nach jedem Redner gab es Zeit für Diskussion, und zahlreiche Teilnehmer des Seminars meldeten sich mit Fragen oder Anmerkungen zu Wort.

In ihrer Eröffnungsrede umriß Zepp-LaRouche die weltweite politische und strategische Lage und ging dabei auch auf die erschreckende wirtschaftliche und soziale Situation in Deutschland ein. Besonders bedrohlich seien die Situation des Bundeshaushalts und die angehäuften Schulden. Zwar habe die Verschuldung in Deutschland noch nicht das Niveau der Vereinigten Staaten erreicht, doch die Entwicklung gehe in dieselbe Richtung, was sie anhand einiger Diagramme aufzeigte. Hinzu kämen massive Preissteigerungen aufgrund des Krieges gegen den Iran und der Sperrung der Straße von Hormus, so daß sich die deutsche Wirtschaft derzeit im freien Fall befinde.

Es gebe Wege aus der Krise, betonte sie, doch dies erfordere eine öffentliche Debatte. Deutschland sei seit Bismarck eine Exportnation, es habe zwar immer über wenig Ressourcen verfügt, doch eine hohe Qualität in Bildung und Wissenschaft sowie ein hohes Exportniveau hätten das Land erfolgreich gemacht. Um das erneut zu erreichen, müsse Deutschland mit China und dem gesamten Globalen Süden nach dem Vorbild der „Belt and Road“-Initiative zusammenarbeiten; dabei hob sie insbesondere den „Erweiterten Oasenplan“ hervor.

Rainer Apel sprach als nächster Redner über die Infrastruktur und stellte unmißverständlich fest, in der politischen Elite verstehe niemand, was Infrastruktur eigentlich ist. Dem Infrastrukturbericht aus dem Jahr 2022 zufolge müßten 7000 Kilometer Autobahn, 8000 Brücken und 10.000 Kilometer Bundes- und Landesstraßen saniert werden, zusätzlich zu 60.000 Brücken in den Städten. Dabei sei der Finanzbedarf für die Sanierungsmaßnahmen doppelt so hoch wie das gesamte Budget, das derzeit für die Infrastruktur vorgesehen ist.

Als Beispiel für wichtige große Infrastrukturprojekte nannte Apel die von dem badischen Ingenieur Johann Gottfried Tulla durchgeführte Rheinbegradigung im 19. Jahrhundert, welche die Möglichkeit eröffnete, Land im Norden zu entwässern, den Kohlebergbau im Ruhrgebiet zu entwickeln und südlich von Bingen die chemische Industrie aufzubauen.

Zepp-LaRouche ergänzte anschließend, Kreditvergabe für Infrastrukturprojekte und Industrieaufbau sei nicht inflationär, wie bereits 1931 im Lautenbach-Plan dargelegt wurde – im Gegensatz zu den derzeitigen massiven Militärausgaben.

Claudio Celani sprach dann über die Krise der Automobilindustrie in Deutschland, die lange Zeit das Rückgrat der deutschen Wirtschaft war und eng mit dem Maschinen- und Anlagenbau verbunden ist. Alle Unternehmen, auch der VW-Vorstand, wüßten, daß der Ausstieg aus der Kernenergie, dann der Ausstieg aus der Kohle und schließlich der Verzicht auf russisches Gas Deutschland in den Zustand eines „Dritte-Welt-Landes“ versetzt hätten. Durch den „Green Deal“, die grüne Politik und die explodierenden Energiepreise sei alles, was bisher kostengünstig war, für viele unerschwinglich geworden, so daß die Verkaufszahlen für Autos in Deutschland zurückgegangen seien und die Menschen zunehmend alternde Autos benutzten.

Als nächster sprach Christoph Mohs – basierend auf einer Studie von Dean Andromidas – über die Vergangenheit und Zukunft der europäischen und deutschen Raumfahrt, wobei er die überspitzte Frage stellte: Sind Investitionen in die Raumfahrt verschwendetes Geld? Dies sei leider eine verbreitete irrige Ansicht, der Mohs entgegenhielt, daß die Weltraumforschung und der Raumfahrtsektor es der Gesellschaft ermöglichen, über den engen irdischen Horizont hinauszublicken. Unter Verweis auf „Raumfahrtpioniere“ wie Johannes Kepler, Hermann Oberth, Wernher von Braun und Krafft Ehricke, der das Konzept des „extraterrestrischen Imperativs“ entwickelte, unterstrich Mohs, daß die Raumfahrt immer als Motor für Wissenschaft, Technologie, Bildung und Infrastrukturentwicklung gedient habe.

Der letzte Redner war Stephan Ossenkopp, der – vor kurzem von einer Chinareise zurückgekehrt – die Notwendigkeit einer Zusammenarbeit Deutschlands mit den BRICS-Staaten betonte. Eine langfristige Zusammenarbeit mit den BRICS-Staaten könne das Überleben Deutschlands als Industrienation sichern und die industrielle Entwicklung vorantreiben, da Deutschland als Exportnation auf langfristige Verträge und Abkommen angewiesen sei. Es sei offensichtlich, daß die BRICS-Staaten mit den westlichen Ländern zusammenarbeiten wollen – sie sind nicht unsere Feinde, betonte Ossenkopp. Was sie wollen, seien gleichberechtigte Beziehungen auf Augenhöhe. Deutschland könnte beispielsweise mit Rußland im Bereich der Kernenergie zusammenarbeiten. Eine Abkopplung von China wäre „wirtschaftliches Harakiri“. Er hob hervor, daß alle BRICS-Staaten auch in der Weltraumforschung arbeiten und ihre Raumfahrtsektoren vorantreiben.

Am Ende des fast dreistündigen Seminars äußerten viele Teilnehmer ihre Absicht, in Kürze weitere ähnliche Treffen zu veranstalten oder daran mitzuwirken. Den Mitschnitt des Seminars finden Sie im Youtube-Kanal des Schiller-Instituts.

mfm/wol