Schiller-Institut veranstaltet Forum zur Lage Deutschlands
Ein Online-Seminar des Schiller-Instituts diskutierte darüber,
wie der freie Fall der deutschen Wirtschaft gestoppt werden kann.
„Der freie Fall der deutschen Wirtschaft muß gestoppt werden! Deutschland muß
vor dem Ausverkauf gerettet werden!“ lautete der Titel eines Online-Seminars des
Schiller-Instituts am 1. September. Die Gründerin des Schiller-Instituts,
Helga Zepp-LaRouche, hielt die Eröffnungsrede und fungierte zudem als
Moderatorin. Ziel des Seminars sei es, erklärte sie zu Beginn, in allen
Institutionen und Schichten der Gesellschaft eine Diskussion über Lösungen für
die tiefe Krise in Deutschland anzustoßen. Es entwickelte sich eine
außerordentlich lebendige Veranstaltung. Nach jedem Redner gab es Zeit für
Diskussion, und zahlreiche Teilnehmer des Seminars meldeten sich mit Fragen oder
Anmerkungen zu Wort.
In ihrer Eröffnungsrede umriß Zepp-LaRouche die weltweite politische und
strategische Lage und ging dabei auch auf die erschreckende wirtschaftliche und
soziale Situation in Deutschland ein. Besonders bedrohlich seien die Situation
des Bundeshaushalts und die angehäuften Schulden. Zwar habe die Verschuldung in
Deutschland noch nicht das Niveau der Vereinigten Staaten erreicht, doch die
Entwicklung gehe in dieselbe Richtung, was sie anhand einiger Diagramme
aufzeigte. Hinzu kämen massive Preissteigerungen aufgrund des Krieges gegen den
Iran und der Sperrung der Straße von Hormus, so daß sich die deutsche Wirtschaft
derzeit im freien Fall befinde.
Es gebe Wege aus der Krise, betonte sie, doch dies erfordere eine öffentliche
Debatte. Deutschland sei seit Bismarck eine Exportnation, es habe zwar immer
über wenig Ressourcen verfügt, doch eine hohe Qualität in Bildung und
Wissenschaft sowie ein hohes Exportniveau hätten das Land erfolgreich gemacht.
Um das erneut zu erreichen, müsse Deutschland mit China und dem gesamten
Globalen Süden nach dem Vorbild der „Belt and Road“-Initiative zusammenarbeiten;
dabei hob sie insbesondere den „Erweiterten Oasenplan“ hervor.
Rainer Apel sprach als nächster Redner über die Infrastruktur und
stellte unmißverständlich fest, in der politischen Elite verstehe niemand, was
Infrastruktur eigentlich ist. Dem Infrastrukturbericht aus dem Jahr 2022 zufolge
müßten 7000 Kilometer Autobahn, 8000 Brücken und 10.000 Kilometer Bundes- und
Landesstraßen saniert werden, zusätzlich zu 60.000 Brücken in den Städten. Dabei
sei der Finanzbedarf für die Sanierungsmaßnahmen doppelt so hoch wie das gesamte
Budget, das derzeit für die Infrastruktur vorgesehen ist.
Als Beispiel für wichtige große Infrastrukturprojekte nannte Apel die von dem
badischen Ingenieur Johann Gottfried Tulla durchgeführte Rheinbegradigung im 19.
Jahrhundert, welche die Möglichkeit eröffnete, Land im Norden zu entwässern, den
Kohlebergbau im Ruhrgebiet zu entwickeln und südlich von Bingen die chemische
Industrie aufzubauen.
Zepp-LaRouche ergänzte anschließend, Kreditvergabe für Infrastrukturprojekte
und Industrieaufbau sei nicht inflationär, wie bereits 1931 im Lautenbach-Plan
dargelegt wurde – im Gegensatz zu den derzeitigen massiven Militärausgaben.
Claudio Celani sprach dann über die Krise der Automobilindustrie in
Deutschland, die lange Zeit das Rückgrat der deutschen Wirtschaft war und eng
mit dem Maschinen- und Anlagenbau verbunden ist. Alle Unternehmen, auch der
VW-Vorstand, wüßten, daß der Ausstieg aus der Kernenergie, dann der Ausstieg aus
der Kohle und schließlich der Verzicht auf russisches Gas Deutschland in den
Zustand eines „Dritte-Welt-Landes“ versetzt hätten. Durch den „Green Deal“, die
grüne Politik und die explodierenden Energiepreise sei alles, was bisher
kostengünstig war, für viele unerschwinglich geworden, so daß die Verkaufszahlen
für Autos in Deutschland zurückgegangen seien und die Menschen zunehmend
alternde Autos benutzten.
Als nächster sprach Christoph Mohs – basierend auf einer Studie von
Dean Andromidas – über die Vergangenheit und Zukunft der europäischen und
deutschen Raumfahrt, wobei er die überspitzte Frage stellte: Sind Investitionen
in die Raumfahrt verschwendetes Geld? Dies sei leider eine verbreitete irrige
Ansicht, der Mohs entgegenhielt, daß die Weltraumforschung und der
Raumfahrtsektor es der Gesellschaft ermöglichen, über den engen irdischen
Horizont hinauszublicken. Unter Verweis auf „Raumfahrtpioniere“ wie Johannes
Kepler, Hermann Oberth, Wernher von Braun und Krafft Ehricke, der das Konzept
des „extraterrestrischen Imperativs“ entwickelte, unterstrich Mohs, daß die
Raumfahrt immer als Motor für Wissenschaft, Technologie, Bildung und
Infrastrukturentwicklung gedient habe.
Der letzte Redner war Stephan Ossenkopp, der – vor kurzem von einer
Chinareise zurückgekehrt – die Notwendigkeit einer Zusammenarbeit Deutschlands
mit den BRICS-Staaten betonte. Eine langfristige Zusammenarbeit mit den
BRICS-Staaten könne das Überleben Deutschlands als Industrienation sichern und
die industrielle Entwicklung vorantreiben, da Deutschland als Exportnation auf
langfristige Verträge und Abkommen angewiesen sei. Es sei offensichtlich, daß
die BRICS-Staaten mit den westlichen Ländern zusammenarbeiten wollen – sie sind
nicht unsere Feinde, betonte Ossenkopp. Was sie wollen, seien gleichberechtigte
Beziehungen auf Augenhöhe. Deutschland könnte beispielsweise mit Rußland im
Bereich der Kernenergie zusammenarbeiten. Eine Abkopplung von China wäre
„wirtschaftliches Harakiri“. Er hob hervor, daß alle BRICS-Staaten auch in der
Weltraumforschung arbeiten und ihre Raumfahrtsektoren vorantreiben.
Am Ende des fast dreistündigen Seminars äußerten viele Teilnehmer ihre
Absicht, in Kürze weitere ähnliche Treffen zu veranstalten oder daran
mitzuwirken. Den Mitschnitt des Seminars finden Sie im Youtube-Kanal des Schiller-Instituts.
mfm/wol
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