Die größte Ressource sind die Menschen und ihre Kreativität
Gemeinsame Erklärung zur Gründung der globalen Jugendbewegung
für eine gerechte Weltordnung und ein neues Paradigma
Teilnehmer einer Serie von Jugendkonferenzen des
Schiller-Instituts und der Internationalen Friedenskoalition veröffentlichten
das folgende Manifest zur Gründung einer weltweiten Jugendbewegung.
Wir, die Jugend der Welt, sind davon überzeugt, daß unsere Generation eine
Verantwortung trägt, wie sie noch keine Generation vor uns hatte. Wir haben eine
Welt geerbt, die von unglaublichen wissenschaftlichen Errungenschaften geprägt
ist, doch Millionen von uns leben immer noch in Armut, Kriege spalten weiterhin
Nationen, und zu vielen Menschen wird die Möglichkeit verwehrt, ihr volles
Potential zu entfalten. Wir werden nicht hinnehmen, daß diese Probleme unsere
Zukunft bestimmen.
Was die Menschheit einzigartig macht, ist nicht unser Reichtum, unsere
Militärmacht oder unsere natürlichen Ressourcen. Es ist unsere Fähigkeit zu
denken, zu entdecken und zu gestalten. Jeder große Fortschritt in der Geschichte
begann mit einer Idee. Von der Landwirtschaft und Medizin bis hin zu
Elektrizität und Raumfahrt hat die menschliche Kreativität es der Zivilisation
ermöglicht, Herausforderungen zu meistern, die zuvor unmöglich schienen. Die
größte Ressource für jedes Land ist seine Bevölkerung und deren Fähigkeit, die
Welt durch Wissen und Innovation zu verbessern.
Wir sind überzeugt, daß jede Nation etwas Wertvolles beizutragen hat. Kein
Land sollte nur als Quelle für Rohstoffe, billige Arbeitskräfte oder politischen
Einfluß betrachtet werden. Kein Land sollte aufgrund seiner ethnischen
Zugehörigkeit oder Rasse an den Rand gedrängt werden. Jede Nation beherbergt
Menschen mit Talenten, Ideen und Träumen, die die Chance verdienen, sich zu
entfalten. Eine gerechte Weltordnung muß Bildung fördern, die auf kreativer
Vernunft, wissenschaftlicher Forschung, technologischem Fortschritt und
wirtschaftlicher Entwicklung basiert, damit jeder Mensch die Chance hat, zur
Zukunft der Menschheit beizutragen.
Wahrer Frieden ist mehr als die Abwesenheit von Krieg. Er besteht aus einer
Welt, in der die Menschen Zugang zu Nahrung, sauberem Wasser,
Gesundheitsversorgung, Bildung und sinnvoller Arbeit haben. Das ist eine Welt,
in der Nationen zusammenarbeiten, anstatt in Konflikten und Ausbeutung
miteinander zu konkurrieren, und in der sie anerkennen, daß der Fortschritt
einer Nation allen zugutekommen kann.
Auch unsere Generation trägt die Verantwortung, den Kreislauf aus Haß und
Gewalt zu durchbrechen, der schon viel zu lange fortbesteht. Die Spaltung
zwischen Nationen aufgrund von Rasse oder Hautfarbe, wirtschaftlicher Ausbeutung
oder anderen willkürlichen Unterschieden muß ein Ende finden. Zu oft wurde auf
Gewalt mit noch mehr Gewalt geantwortet, was neue Generationen von Leid und
Spaltung hervorgebracht hat. Viele hielten fälschlicherweise Vergeltung für ein
Zeichen von Stärke und Diplomatie für ein Zeichen von Schwäche.
Dieser Kreislauf muß mit uns enden! Wir entscheiden uns für Zusammenarbeit
statt Konflikt, für Dialog statt Haß und für Hoffnung statt Verzweiflung. Wie
viele heute warnen – darunter General a.D. Harald Kujat, ehemals
Generalinspekteur der Bundeswehr und Vorsitzender des NATO-Militärausschusses –,
befindet sich die Welt in einer Situation, die der im August 1914 ähnelt. Aber
durch die Verschmelzung des amerikanisch-israelischen Angriffskriegs gegen den
Iran mit dem NATO-Stellvertreterkrieg gegen Rußland, die größte Atommacht der
Welt, droht eine noch weitaus schlimmere Zerstörung als im Ersten Weltkrieg –
bis hin zur möglichen Auslöschung der gesamten menschlichen Zivilisation. Das
wahnwitzige Beharren westlicher Regierungen und Institutionen darauf, diesen
Krieg fortzusetzen, selbst bis zum Einsatz von Atomwaffen, muß jetzt gestoppt
werden, bevor wir in einem Höllenfeuer alles verlieren. Nie zuvor war es
dringender, daß Stimmen der Vernunft mit einer Stimme sprechen, um den
Irrationalismus des Prinzips „Macht schafft Recht“ in Frage zu stellen.
Diese Konflikte ebenso wie die Kriege auf dem afrikanischen Kontinent, unter
denen die unschuldigen Bürger des Sudans, der Demokratischen Republik Kongo und
vieler anderer Bevölkerungsgruppen leiden, mahnen uns, daß eine einzige
Fehleinschätzung katastrophale Folgen für Millionen von Menschen haben kann.
Gleichzeitig hat der ungerechte Krieg im Nahen Osten zu Instabilität auf den
globalen Energiemärkten beigetragen, Handelswege unterbrochen und das Risiko
wirtschaftlicher Schocks erhöht, die Industrie- wie Entwicklungsländer treffen.
Steigende Kraftstoffpreise, Inflation und Ernährungsunsicherheit aufgrund der
Störungen in der Düngemittelindustrie führen zu Hungersnöten. Während die einen
vielleicht gerade auf Urlaubsreise sind, lassen in vielen Entwicklungsländern
die Menschen ihre Autos in der Garage stehen, weil sie die Benzinpreise nicht
mehr bezahlen können. Während Sie vielleicht Ihr tägliches Brot essen, haben
viele von uns es nicht.
Die Welt ist ein globales Dorf. Konflikte, die in einem Teil der Welt
entstehen, lösen oft eine Kettenreaktion aus, deren wirtschaftliche Folgen in
anderen Teilen der Welt unverhältnismäßig stark zu spüren sind. Diese Realität
zeigt, daß dauerhafter Frieden nicht allein durch militärische Macht erreicht
werden kann. Er muß auf wirtschaftlicher Entwicklung beruhen, auf
wissenschaftlichem Fortschritt, technologischer Innovation, gegenseitigem
Respekt zwischen den Nationen und einem gemeinsamen Engagement für die
Bewältigung der Herausforderungen für die ganze Menschheit.
Es gibt nur einen realistischen Weg zur Sicherung des Weltfriedens: Die
internationale Gemeinschaft muß dringend den Aufbau einer neuen globalen
Sicherheits- und Entwicklungsarchitektur in den Mittelpunkt ihrer Agenda rücken
und gemeinsam daran arbeiten, einen erneuerten Rahmen für die internationalen
Beziehungen zu schaffen. Dieser Rahmen sollte fest auf den Grundsätzen der
Charta der Vereinten Nationen und den Fünf Prinzipien der friedlichen Koexistenz
beruhen, und auf den Lehren aus dem Westfälischen Frieden, die beweisen, daß ein
dauerhafter Frieden nur möglich ist, wenn die berechtigten Interessen und
Anliegen aller Parteien anerkannt und respektiert werden.
Im Grunde muß das Prinzip der unteilbaren Sicherheit wieder zum Eckpfeiler
der internationalen Beziehungen werden. Neben dem Vorschlag des
Schiller-Instituts für eine neue globale Architektur, der in Helga
Zepp-LaRouches „Zehn Prinzipien einer neuen internationalen Sicherheits- und
Entwicklungsarchitektur“ dargelegt ist, hat auch China mit seinen vier globalen
Initiativen eine umfassende Vision vorgelegt, insbesondere durch die „Globale
Governance-Initiative“, einen der umfassendsten Beiträge zur Diskussion über den
Aufbau einer internationalen Ordnung, die kooperativer, sicherer und
entwicklungsorientierter ist. Initiativen wie „Gürtel und Straße“ (die Neue
Seidenstraße) und der Bau wichtiger Triebkräfte der wirtschaftlichen Entwicklung
wie Häfen, Straßen und Hochgeschwindigkeitsbahnen decken sich mit dem Vorschlag
des Schiller-Instituts zur „Weltlandbrücke“, einer globalen Vision, die darauf
abzielt, durch miteinander verbundene kontinentale Entwicklungskorridore die
Armut zu beseitigen.
Zu den Elementen dieser Vision gehören u.a.:
- das afrikanische kontinentale Hochgeschwindigkeitsbahnnetz, das in der
Agenda 2063 der Afrikanischen Union enthalten ist;
- der erweiterte LaRouche-Oasenplan, ein fünfzigjähriger Entwicklungsplan
für Palästina, Israel und die gesamte Region mit den Schwerpunkten nukleare
Meerwasserentsalzung, Kanäle und Verkehr;
- das Transaqua-Projekt zur Wasserüberleitung vom Kongobecken zur
Wiederauffüllung des Tschadsees, von dem 40 Millionen Menschen in zwölf Ländern
profitieren würden und das die Grundlage für die Entwicklung von ganz
Zentralafrika bilden würde;
- der „Biozeanische Korridor“, eine Hochgeschwindigkeits-Eisenbahnstrecke,
die den peruanischen Hafen Chancay – den modernsten Tiefwasserhafen Südamerikas
- mit der Atlantikküste Brasiliens verbindet;
- NAWAPA-PHLINO, die „North American Water and Power Alliance“ und der
„North-West Hydraulic Plan of Mexico“, ein gemeinsames kontinentales
Wassermanagementprojekt, um Wasser von Alaska über Kanada, den Westen der USA
und Mexiko zu leiten;
- sowie der Beringstraßen-Tunnel, ein 85 km langer Unterwassertunnel, der
Nordamerika per Bahn mit Eurasien verbinden soll.
Wie schön wäre es für junge Menschen, an diesen großartigen Ideen und
Projekten mitzuwirken, die die kommenden fünfzig Jahre der Menschheit prägen
werden!
Als junge Menschen der Neuen Internationalen Jugendbewegung sind wir
entschlossen, unsere Vision über bloße Worte hinaus in die einflußreichsten
Entscheidungsgremien der Welt zu tragen. Wir werden unsere Ideen aktiv
präsentieren und uns für ein neues Paradigma des Friedens durch Entwicklung
einsetzen.
Diesen Aufruf für ein neues Paradigma des Friedens durch Entwicklung richten
wir an die Teilnehmer der bevorstehenden großen zwischenstaatlichen
Gipfeltreffen 2026 und 2027, darunter die Konferenz der Shanghaier Organisation
für Zusammenarbeit (SCO) im August, die Vollversammlung der Vereinten Nationen
im September, der BRICS-Gipfel im September, deren Teilnehmer die Mehrheit der
Jugend der Welt repräsentieren, und der 40. Gipfel der Afrikanischen Union im
Februar, die Vertretung des Kontinents mit der größten jungen Bevölkerung, die
bis 2030 voraussichtlich 42% der Jugend der Welt ausmachen wird.
Staats- und Regierungschefs, politische Entscheidungsträger, internationale
Organisationen, Führungskräfte aus der Wirtschaft, Wissenschaftler und junge
Menschen wie wir: Es ist an der Zeit, zu verstehen, daß Wissenschaft,
Technologie, wirtschaftliche Zusammenarbeit und eine Entwicklung für die
Menschen die Grundlage für dauerhaften Frieden bilden.
Wir sind der Überzeugung, daß die Stimmen junger Menschen nicht nur gehört
werden müssen – junge Führungskräfte müssen die Politik, die ihre eigene Zukunft
bestimmt, entscheidend mitgestalten. Wir fordern daher Regierungen und
internationale Organisationen auf, die in diesem Dokument dargelegten
notwendigen Grundsätze und Maßnahmen sowie weitere Maßnahmen, die zur
Verwirklichung dieser Vision erforderlich sind, unverzüglich zu beschließen.
Wir jungen Menschen sind überzeugt, daß die Zukunft nicht von Angst geprägt
sein wird, sondern von unserer Bereitschaft, gemeinsam für das Gemeinwohl zu
arbeiten. Vielen Dank.
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