Friedrich Schiller Denkmal
Friedrich Schiller



Hauptseite
       

Schiller-Institut e. V.
"Zweck der Menschheit ist kein anderer als die
Ausbildung der Kräfte des Menschen, Fortschreitung."
Friedrich Schiller

 

Die größte Ressource sind die Menschen und ihre Kreativität

Gemeinsame Erklärung zur Gründung der globalen Jugendbewegung
für eine gerechte Weltordnung und ein neues Paradigma

Teilnehmer einer Serie von Jugendkonferenzen des Schiller-Instituts und der Internationalen Friedenskoalition veröffentlichten das folgende Manifest zur Gründung einer weltweiten Jugendbewegung.

Wir, die Jugend der Welt, sind davon überzeugt, daß unsere Generation eine Verantwortung trägt, wie sie noch keine Generation vor uns hatte. Wir haben eine Welt geerbt, die von unglaublichen wissenschaftlichen Errungenschaften geprägt ist, doch Millionen von uns leben immer noch in Armut, Kriege spalten weiterhin Nationen, und zu vielen Menschen wird die Möglichkeit verwehrt, ihr volles Potential zu entfalten. Wir werden nicht hinnehmen, daß diese Probleme unsere Zukunft bestimmen.

Was die Menschheit einzigartig macht, ist nicht unser Reichtum, unsere Militärmacht oder unsere natürlichen Ressourcen. Es ist unsere Fähigkeit zu denken, zu entdecken und zu gestalten. Jeder große Fortschritt in der Geschichte begann mit einer Idee. Von der Landwirtschaft und Medizin bis hin zu Elektrizität und Raumfahrt hat die menschliche Kreativität es der Zivilisation ermöglicht, Herausforderungen zu meistern, die zuvor unmöglich schienen. Die größte Ressource für jedes Land ist seine Bevölkerung und deren Fähigkeit, die Welt durch Wissen und Innovation zu verbessern.

Wir sind überzeugt, daß jede Nation etwas Wertvolles beizutragen hat. Kein Land sollte nur als Quelle für Rohstoffe, billige Arbeitskräfte oder politischen Einfluß betrachtet werden. Kein Land sollte aufgrund seiner ethnischen Zugehörigkeit oder Rasse an den Rand gedrängt werden. Jede Nation beherbergt Menschen mit Talenten, Ideen und Träumen, die die Chance verdienen, sich zu entfalten. Eine gerechte Weltordnung muß Bildung fördern, die auf kreativer Vernunft, wissenschaftlicher Forschung, technologischem Fortschritt und wirtschaftlicher Entwicklung basiert, damit jeder Mensch die Chance hat, zur Zukunft der Menschheit beizutragen.

Wahrer Frieden ist mehr als die Abwesenheit von Krieg. Er besteht aus einer Welt, in der die Menschen Zugang zu Nahrung, sauberem Wasser, Gesundheitsversorgung, Bildung und sinnvoller Arbeit haben. Das ist eine Welt, in der Nationen zusammenarbeiten, anstatt in Konflikten und Ausbeutung miteinander zu konkurrieren, und in der sie anerkennen, daß der Fortschritt einer Nation allen zugutekommen kann.

Auch unsere Generation trägt die Verantwortung, den Kreislauf aus Haß und Gewalt zu durchbrechen, der schon viel zu lange fortbesteht. Die Spaltung zwischen Nationen aufgrund von Rasse oder Hautfarbe, wirtschaftlicher Ausbeutung oder anderen willkürlichen Unterschieden muß ein Ende finden. Zu oft wurde auf Gewalt mit noch mehr Gewalt geantwortet, was neue Generationen von Leid und Spaltung hervorgebracht hat. Viele hielten fälschlicherweise Vergeltung für ein Zeichen von Stärke und Diplomatie für ein Zeichen von Schwäche.

Dieser Kreislauf muß mit uns enden! Wir entscheiden uns für Zusammenarbeit statt Konflikt, für Dialog statt Haß und für Hoffnung statt Verzweiflung. Wie viele heute warnen – darunter General a.D. Harald Kujat, ehemals Generalinspekteur der Bundeswehr und Vorsitzender des NATO-Militärausschusses –, befindet sich die Welt in einer Situation, die der im August 1914 ähnelt. Aber durch die Verschmelzung des amerikanisch-israelischen Angriffskriegs gegen den Iran mit dem NATO-Stellvertreterkrieg gegen Rußland, die größte Atommacht der Welt, droht eine noch weitaus schlimmere Zerstörung als im Ersten Weltkrieg – bis hin zur möglichen Auslöschung der gesamten menschlichen Zivilisation. Das wahnwitzige Beharren westlicher Regierungen und Institutionen darauf, diesen Krieg fortzusetzen, selbst bis zum Einsatz von Atomwaffen, muß jetzt gestoppt werden, bevor wir in einem Höllenfeuer alles verlieren. Nie zuvor war es dringender, daß Stimmen der Vernunft mit einer Stimme sprechen, um den Irrationalismus des Prinzips „Macht schafft Recht“ in Frage zu stellen.

Diese Konflikte ebenso wie die Kriege auf dem afrikanischen Kontinent, unter denen die unschuldigen Bürger des Sudans, der Demokratischen Republik Kongo und vieler anderer Bevölkerungsgruppen leiden, mahnen uns, daß eine einzige Fehleinschätzung katastrophale Folgen für Millionen von Menschen haben kann.

Gleichzeitig hat der ungerechte Krieg im Nahen Osten zu Instabilität auf den globalen Energiemärkten beigetragen, Handelswege unterbrochen und das Risiko wirtschaftlicher Schocks erhöht, die Industrie- wie Entwicklungsländer treffen. Steigende Kraftstoffpreise, Inflation und Ernährungsunsicherheit aufgrund der Störungen in der Düngemittelindustrie führen zu Hungersnöten. Während die einen vielleicht gerade auf Urlaubsreise sind, lassen in vielen Entwicklungsländern die Menschen ihre Autos in der Garage stehen, weil sie die Benzinpreise nicht mehr bezahlen können. Während Sie vielleicht Ihr tägliches Brot essen, haben viele von uns es nicht.

Die Welt ist ein globales Dorf. Konflikte, die in einem Teil der Welt entstehen, lösen oft eine Kettenreaktion aus, deren wirtschaftliche Folgen in anderen Teilen der Welt unverhältnismäßig stark zu spüren sind. Diese Realität zeigt, daß dauerhafter Frieden nicht allein durch militärische Macht erreicht werden kann. Er muß auf wirtschaftlicher Entwicklung beruhen, auf wissenschaftlichem Fortschritt, technologischer Innovation, gegenseitigem Respekt zwischen den Nationen und einem gemeinsamen Engagement für die Bewältigung der Herausforderungen für die ganze Menschheit.

Es gibt nur einen realistischen Weg zur Sicherung des Weltfriedens: Die internationale Gemeinschaft muß dringend den Aufbau einer neuen globalen Sicherheits- und Entwicklungsarchitektur in den Mittelpunkt ihrer Agenda rücken und gemeinsam daran arbeiten, einen erneuerten Rahmen für die internationalen Beziehungen zu schaffen. Dieser Rahmen sollte fest auf den Grundsätzen der Charta der Vereinten Nationen und den Fünf Prinzipien der friedlichen Koexistenz beruhen, und auf den Lehren aus dem Westfälischen Frieden, die beweisen, daß ein dauerhafter Frieden nur möglich ist, wenn die berechtigten Interessen und Anliegen aller Parteien anerkannt und respektiert werden.

Im Grunde muß das Prinzip der unteilbaren Sicherheit wieder zum Eckpfeiler der internationalen Beziehungen werden. Neben dem Vorschlag des Schiller-Instituts für eine neue globale Architektur, der in Helga Zepp-LaRouches „Zehn Prinzipien einer neuen internationalen Sicherheits- und Entwicklungsarchitektur“ dargelegt ist, hat auch China mit seinen vier globalen Initiativen eine umfassende Vision vorgelegt, insbesondere durch die „Globale Governance-Initiative“, einen der umfassendsten Beiträge zur Diskussion über den Aufbau einer internationalen Ordnung, die kooperativer, sicherer und entwicklungsorientierter ist. Initiativen wie „Gürtel und Straße“ (die Neue Seidenstraße) und der Bau wichtiger Triebkräfte der wirtschaftlichen Entwicklung wie Häfen, Straßen und Hochgeschwindigkeitsbahnen decken sich mit dem Vorschlag des Schiller-Instituts zur „Weltlandbrücke“, einer globalen Vision, die darauf abzielt, durch miteinander verbundene kontinentale Entwicklungskorridore die Armut zu beseitigen.

Zu den Elementen dieser Vision gehören u.a.:

  • das afrikanische kontinentale Hochgeschwindigkeitsbahnnetz, das in der Agenda 2063 der Afrikanischen Union enthalten ist;

  • der erweiterte LaRouche-Oasenplan, ein fünfzigjähriger Entwicklungsplan für Palästina, Israel und die gesamte Region mit den Schwerpunkten nukleare Meerwasserentsalzung, Kanäle und Verkehr;

  • das Transaqua-Projekt zur Wasserüberleitung vom Kongobecken zur Wiederauffüllung des Tschadsees, von dem 40 Millionen Menschen in zwölf Ländern profitieren würden und das die Grundlage für die Entwicklung von ganz Zentralafrika bilden würde;

  • der „Biozeanische Korridor“, eine Hochgeschwindigkeits-Eisenbahnstrecke, die den peruanischen Hafen Chancay – den modernsten Tiefwasserhafen Südamerikas - mit der Atlantikküste Brasiliens verbindet;

  • NAWAPA-PHLINO, die „North American Water and Power Alliance“ und der „North-West Hydraulic Plan of Mexico“, ein gemeinsames kontinentales Wassermanagementprojekt, um Wasser von Alaska über Kanada, den Westen der USA und Mexiko zu leiten;

  • sowie der Beringstraßen-Tunnel, ein 85 km langer Unterwassertunnel, der Nordamerika per Bahn mit Eurasien verbinden soll.

Wie schön wäre es für junge Menschen, an diesen großartigen Ideen und Projekten mitzuwirken, die die kommenden fünfzig Jahre der Menschheit prägen werden!

Als junge Menschen der Neuen Internationalen Jugendbewegung sind wir entschlossen, unsere Vision über bloße Worte hinaus in die einflußreichsten Entscheidungsgremien der Welt zu tragen. Wir werden unsere Ideen aktiv präsentieren und uns für ein neues Paradigma des Friedens durch Entwicklung einsetzen.

Diesen Aufruf für ein neues Paradigma des Friedens durch Entwicklung richten wir an die Teilnehmer der bevorstehenden großen zwischenstaatlichen Gipfeltreffen 2026 und 2027, darunter die Konferenz der Shanghaier Organisation für Zusammenarbeit (SCO) im August, die Vollversammlung der Vereinten Nationen im September, der BRICS-Gipfel im September, deren Teilnehmer die Mehrheit der Jugend der Welt repräsentieren, und der 40. Gipfel der Afrikanischen Union im Februar, die Vertretung des Kontinents mit der größten jungen Bevölkerung, die bis 2030 voraussichtlich 42% der Jugend der Welt ausmachen wird.

Staats- und Regierungschefs, politische Entscheidungsträger, internationale Organisationen, Führungskräfte aus der Wirtschaft, Wissenschaftler und junge Menschen wie wir: Es ist an der Zeit, zu verstehen, daß Wissenschaft, Technologie, wirtschaftliche Zusammenarbeit und eine Entwicklung für die Menschen die Grundlage für dauerhaften Frieden bilden.

Wir sind der Überzeugung, daß die Stimmen junger Menschen nicht nur gehört werden müssen – junge Führungskräfte müssen die Politik, die ihre eigene Zukunft bestimmt, entscheidend mitgestalten. Wir fordern daher Regierungen und internationale Organisationen auf, die in diesem Dokument dargelegten notwendigen Grundsätze und Maßnahmen sowie weitere Maßnahmen, die zur Verwirklichung dieser Vision erforderlich sind, unverzüglich zu beschließen.

Wir jungen Menschen sind überzeugt, daß die Zukunft nicht von Angst geprägt sein wird, sondern von unserer Bereitschaft, gemeinsam für das Gemeinwohl zu arbeiten. Vielen Dank.