König Charles, Donald Trump und der philosophische Betrug der „Sonderbeziehung“
Von Harley Schlanger
Harley Schlanger ist Präsident der amerikanischen
LaRouche-Organisation (TLO). Er sprach am zweiten Tag der Berliner Konferenz
des Schiller-Instituts am 31. Mai 2026.
Es ist mir bewußt, daß der Titel, den ich für meinen heutigen Vortrag gewählt
habe – „König Charles, Trump und der philosophische Betrug der Sonderbeziehung“
– für Verwirrung sorgen könnte, weil der Verweis auf „Philosophisches“ im
Zusammenhang mit dem derzeitigen US-Präsidenten Fragen zur Glaubwürdigkeit des
Redners aufwirft.
Ich werde jedoch aufzeigen, daß der jüngste Besuch von König Charles in
Washington und insbesondere seine Rede vor dem Kongreß am 28. April eine bewußte
Provokation waren, die darauf abzielte, die sogenannte „Sonderbeziehung“
wiederzubeleben – eine Beziehung, deren Verlust Charles’ Kollegen in der
Londoner City angesichts von Trump im Weißen Haus befürchten. Der Zeitpunkt,
keine drei Monate vor dem 250. Jahrestag der Unterzeichnung der
Unabhängigkeitserklärung, war Teil der Provokation.
Der König eröffnete seine Ansprache mit einem Dankeswort, er „dankte dem
amerikanischen Volk für die Einladung“. Nachdem er seinen „höchsten Respekt“ vor
dem US-Kongreß erklärt hatte, begann er dann mit einer ganzen Reihe von
Unwahrheiten über die „miteinander verflochtenen“ Schicksale der beiden
Länder.
Wir [Briten und Amerikaner] seien „instinktiv gleichgesinnt“, sagte er, mit
einer Beziehung, die „vier Jahrhunderte überspannt“. Das gemeinsame Erbe der
britischen Aufklärung habe es ermöglicht, „eine einzigartige Beziehung einer
atlantischen Partnerschaft“ zu schmieden, die „heute wichtiger denn je“ sei,
weil man gemeinsam einem zunehmend aggressiven Rußland gegenüberstehe. Dann
wechselte er von schmeichelnden Allgemeinplätzen zu einem Appell für
„Entschlossenheit zur Verteidigung der Ukraine und ihres mutigen Volkes“.
Wir bauen gemeinsam F-35-Kampfflugzeuge, sagte er, und moderne U-Boote für
AUKUS – das Militärbündnis zwischen Australien, Großbritannien und den USA –, um
China in Schach zu halten. Er verwies auf die neuen Technologie-Abkommen, die
geschlossen wurden, als Trump im vergangenen September sein Gast bei einem
Bankett auf Schloß Windsor war, wo Konzernchefs beider Länder Verträge über
Militärtechnologie und KI im Wert von 42 Milliarden Dollar unterzeichneten.
Britischer und amerikanischer Erfindergeist „in einem Bündnis zur Verteidigung
unserer Partnerschaft sind weltweit führend“, rief Charles aus.
Präsident Trump antwortete genauso herzlich wie schon bei dem Bankett am 17.
September in London und nannte den König – einen bekannten Verfechter
malthusianischer Bevölkerungsreduktion – einen „guten Kerl“. In Anlehnung an die
Rede des Königs über das „gemeinsame Schicksal“ beider Nationen sagte er:
„Unsere Verbindung ist unbezahlbar und ewig, sie ist unersetzlich und
unzerbrechlich.“ Er überschüttete „die Kultur, den Charakter und das Credo“ des
Britischen Empire mit Lob. „Unsere Vorfahren wären sicherlich voller Ehrfurcht
und Stolz darüber, daß sich die anglo-amerikanische Revolution der menschlichen
Freiheit über die ganze Welt ausgebreitet hat“, verkündete Trump.
Angesichts der Euphorie, die solche sentimentalen Äußerungen auslösten, ist
es nicht verwunderlich, daß niemand auf einen Bericht hinwies, den der Ausschuß
für Internationale Beziehungen und Verteidigung des britischen Oberhauses am 22.
April, nur wenige Tage vor Charles’ Abreise in die USA, veröffentlicht hatte.
Der Bericht trägt den Titel „Anpassung an neue Realitäten: Neugewichtung der
britisch-amerikanischen Partnerschaft“1 und wurde dem House of Lords
vom ehemaligen NATO-Generalsekretär Lord Robertson vorgelegt. Darin wird die
Erkenntnis beschrieben, Großbritannien könne nicht mehr darauf zählen, daß die
USA ihre gemeinsamen Interessen verteidigen, und müsse daher vielfältigere
Partnerschaften aufbauen.
Weiter zu dem Vorwurf, daß diese Reise eine Provokation war: Kein einziges
Mitglied des US-Kongresses ging auf die eklatante Ironie des Anlasses ein, daß
Charles am Vorabend des 250. Jahrestags der Unterzeichnung der
Unabhängigkeitserklärung – vom Britischen Empire! – eine illusorische Sicht
einer „strategischen Allianz“ propagierte, um die „Sonderbeziehung“ zu
bekräftigen. Charles selbst spielte zynisch auf die Ironie seiner Anwesenheit an
und witzelte, er sei nicht „als Teil einer listigen Nachhut-Aktion“
gekommen.
Amerika rebelliert gegen das Empire
Anders als der König in seiner fiktiven Darstellung der anglo-amerikanischen
Beziehungen behauptet, existiert seit der Gründung der ersten dauerhaften
Kolonie in Jamestown in Virginia im Jahr 1607 bis heute keinerlei Vorstellung
einer gleichberechtigten Partnerschaft zwischen den Oligarchen der Londoner City
und den amerikanischen Siedlern. Die Londoner Imperialisten behandelten ihre
Kolonien mit derselben Mißachtung wie ihre imperialen Rivalen die ihren: als
Quelle für Rohstoffreichtum, billige Arbeitskräfte und in einigen Fällen als
militärische Ressourcen. Die britischen Handelsgesellschaften importierten
Pelze, Holz, Schiffsausrüstung und Fisch und setzten Männer aus den Kolonien als
Soldaten ein, beispielsweise gegen die Franzosen an der amerikanischen Front des
Siebenjährigen Krieges 1756-63.
Ein kurzer Rückblick auf die Geschichte der Massachusetts Bay Colony
verdeutlicht die Absichten des Empire. Die 1628 gegründete Kolonie verlor ihre
Charta 1684, als die Amerikaner begannen, gegen ihre Behandlung als billige
Quelle des Reichtums für die Handelskartelle des Empire zu rebellieren. Das
Londoner Parlament verabschiedete 1660 die Navigationsakte, um ihre
wirtschaftliche Freiheit einzuschränken. Diese verbot den Einsatz
nicht-britischer Schiffe für den Handel; verlangte, daß alle Exporte,
einschließlich Rohstoffe, erst über London laufen mußten; und daß die Erlöse aus
dem Handel zum Kauf von in Großbritannien hergestellten Waren verwendet werden
mußten.
Das Gesetz ist ein frühes Beispiel für imperiale Maßnahmen zur Untergrabung
der Souveränität, bei denen man Ländern Beschränkungen auferlegt, z.B. durch
Sanktionen, Embargos, Strukturanpassungsprogramme und Kreditbeschränkungen, was
bis heute andauert, beispielsweise gegen den Iran – und was US-Finanzminister
Bessent als „wirtschaftliche Staatskunst“ lobt. Man beachte, daß ein aktueller
Bericht der britischen militärisch-nachrichtendienstlichen Denkfabrik RUSI
(Royal United Services Institute) die 1874 aufgelöste Britische
Ostindiengesellschaft (British East India Company, EIC) als Vorbild für heutige
multinationale Konzerne hervorhebt!2
Der Beschluß der Navigationsakte stieß auf Widerstand, da er zu Recht als
Angriff auf die Unabhängigkeit der Kolonien angesehen wurde. Die Massachusetts
Bay Company reagierte mit der Prägung einer eigenen Währung, des „Pine Tree
Shilling“, um Farmern und Unternehmern in der Kolonie Kredite zu gewähren, und
trieb Handel mit den anderen amerikanischen Kolonien und mit europäischen
Ländern. Obwohl die britischen Behörden solche Handelsgeschäfte als Schmuggel
einstuften, wurden aus Angst vor einer Rebellion keine rechtlichen Schritte
dagegen eingeleitet.
Das änderte sich 1773, als die Ostindiengesellschaft, die größte
Unternehmensgruppe des Empire, bei ihren Einnahmen in Asien Einbußen erlitt. Um
das auszugleichen, wurde der „Tea Act“ verabschiedet, der ihr ein Monopol auf in
Amerika verkauften Tee gewährte. Proteste von Beamten der Bay Colony wurden
zurückgewiesen, ebenso wie Appelle an das Londoner Parlament, die Teesteuer
aufzuheben. Das löste am 16. Dezember 1773 die „Boston Tea Party“ aus, als
koloniale Rebellen den auf Schiffen der EIC nach Boston gelieferten Tee im Hafen
über Bord warfen.
Als Reaktion darauf verabschiedete das Parlament im Juli 1774 den Boston Port
Act, der den Hafen sperrte, die Charta der Massachusetts Bay Company widerrief
und vorschrieb, alle Gerichtsverfahren gegen Bürger nach London zu verlegen.
Darüber hinaus wurde eine Entschädigungsforderung zur Deckung der Verluste der
EIC auferlegt, und es wurde der Quartering Act verabschiedet, der zwangsweise
Einquartierungen britischer Truppen ohne Zustimmung des Hauseigentümers
erlaubte. All dies waren Katalysatoren für die Rebellion.
Ein letzter Appell an das Londoner Unterhaus gegen diese Maßnahmen folgte am
1. Februar 1775. Er wurde abgelehnt, während Benjamin Franklin aus dem
Plenarsaal zusah. Zwei Monate später, am 18. April, fielen in Concord Schüsse
gegen die britische Armee, und am nächsten Tag in Lexington – der berühmte
„Schuß, der um die Welt ging“.
Es gibt kein „gemeinsames Erbe“
Die Streitigkeiten über Wirtschafts- und Handelspolitik spiegelten eine
tiefere Kluft wider, die die Kolonien von London trennte: eine philosophische
Auseinandersetzung über das Wesen des Menschen und die Rolle der Regierung. Auf
der einen Seite stand die „englische Aufklärung“ in der Tradition des britischen
philosophischen Radikalismus, wie er durch die Theorien über Mensch und
Regierung von Thomas Hobbes und John Locke gefördert wurde, die beide als
Propagandisten für eine feudale Gesellschaft fungierten, in der eine Oligarchie
über menschliche Bestien herrscht. Hobbes beschrieben das offen als eine Welt,
in der das Leben dazu verdammt war, „grausam, brutal und kurz“ zu sein, wo ein
„ewiger Krieg aller gegen alle“ herrscht, in dem sich die Stärksten
durchsetzen.
Für Hobbes ließ sich ein solcher Zustand nur vermeiden, wenn es einen starken
Souverän gab, einen „Leviathan“, der mit absoluter Autorität herrscht.
Lockes Theorie vom Gesellschaftsvertrag ähnelt in vieler Hinsicht der von
Hobbes, abgesehen von seinem Anspruch, die „individuelle Freiheit“ zu fördern.
In der Praxis steht Lockes „Liberalismus“ jedoch völlig im Einklang mit
Feudalismus oder Neoliberalismus. Er propagierte zwar „individuelle Freiheit“,
aber die unterlag immer noch Einschränkungen zum Vorteil einer herrschenden
Oligarchie, wie seine Befürwortung von „Freihandel“ und „freiem Markt“, einem
ausgeglichenen Staatshaushalt sowie seine Verteidigung von Wucher, Sklaverei und
Kinderarbeit belegen. 1694 war er an der Gründung der Bank von England
beteiligt, und er war Mitglied des Handelsrats, der für die Navigationsakte
verantwortlich war.
1699 entwarf Locke die Verfassung für die Regierung der Carolinas, wobei er
den Schwerpunkt auf die Erhaltung der Macht des Landadels legte. Zur
Rechtfertigung schrieb er, ein „Ziel der Regierung“ sei die Erhaltung des
Eigentums.
Streben nach Glück
Lange bevor in Concord und Lexington die ersten Schüsse fielen, war bereits
ein philosophischer Kampf im Gange, bei dem John Winthrop, einer der Gründer der
Massachusetts Bay Colony, eine Inspiration für seine Nachfolger darstellte,
darunter Cotton Mather und Benjamin Franklin. Winthrops Engagement für die
Errichtung einer Republik in der Neuen Welt ist Gegenstand des 1987 erschienenen
Buches How the Nation Was Won („Wie die Nation gewonnen wurde“) von
Graham Lowry, einem Mitarbeiter LaRouches.
Der Streit um den Vorrang des Schutzes von privatem „Eigentum“ ist eines der
Themen, die den unüberbrückbaren Unterschied zwischen der britischen und der
amerikanischen Sichtweise widerspiegeln. Während Locke die Verteidigung des
Privateigentums als Ziel der Regierung ansieht, macht die
Unabhängigkeitserklärung „Leben, Freiheit und das Streben nach Glückseligkeit“
zur Aufgabe der Regierung. Jeffersons ursprünglicher Entwurf beschrieb die den
Zielen der Regierung zugrunde liegenden Wahrheiten als „heilig und
unbestreitbar“, doch Franklin änderte den Wortlaut in „wir halten diese
Wahrheiten für selbstverständlich“, was einen Prozeß der Entdeckung
seitens der Bürger impliziert.
Der Kampf gegen Lockes Neoliberalismus war eine Fortsetzung der Bemühungen
des deutschen Wissenschaftlers und Philosophen Gottfried Leibniz und Teil einer
breiteren Kampagne gegen den britischen Empirismus, die Leibniz in
Zusammenarbeit mit republikanischen Wissenschaftlern in England – darunter
Jonathan Swift und Robert Harley – und in Deutschland führte. Zu Leibniz’
Mitstreitern zählten Abraham Kästner, der Begründer der anti-euklidischen
Geometrie, sowie seine Schüler Mylius und Lessing, und es gehörten weitere
Mitstreiter in Leipzig, Berlin und Göttingen dazu. Durch die Vermittlung des
Leibnizianers James Logan wurde der Amerikaner Benjamin Franklin in die
Zusammenarbeit mit diesem Netzwerk gegen Locke und Newton eingebunden. 1766 traf
Franklin während eines Deutschlandbesuchs in Göttingen mit Kästner zusammen.
Die intellektuelle Aufbruchsstimmung, die von diesen Kreisen ausging, wurde
Gleichgesinnten in den amerikanischen Kolonien durch Franklin und seine 1727
gegründete „Junto“ zugänglich gemacht. Franklin baute dieses Netzwerk auf, um
den britischen Empirismus zu bekämpfen, die leitende philosophische Strömung
hinter der Kampagne des Empire zur Niederschlagung der wachsenden Rebellion.
Die Auffassung Lockes und seiner Nachfolger wie Newton und Bentham vom
„Gesellschaftsvertrag“ entsprach seiner Sicht einer statischen Natur des
physikalischen Universums. Locke zufolge konnte der menschliche Geist zwar
Empfindungen registrieren, aber wie der Geist eines Tieres nichts erschaffen.
Hätte Locke es noch erlebt, er wäre entsetzt gewesen über die Behauptung in der
Unabhängigkeitserklärung, daß Regierungen „ihre gerechte Macht aus der
Zustimmung der Regierten ableiten“, und wenn Regierungen „diesen Zielen
abträglich“ werden – wie die englische Regierung mit der Verweigerung von
Rechten –, dann sei es deren „Recht und Pflicht, eine solche Regierung
abzusetzen“. Für diese anti-Lockeschen Amerikaner gehörte zum Glück die
Freiheit, Axiome zu ändern, wenn man feststellt, daß die herrschenden Axiome
falsch sind!
Einer der Gegner der Amerikanischen Revolution in Großbritannien war Jeremy
Bentham, der seine „utilitaristische“ Theorie des Glücks vorbrachte, um Franklin
entgegenzutreten. In seinem Aufsatz A Fragment on Government („Ein
Fragment über die Regierung“) von 1776 präsentierte er eine inhaltsleere
Vorstellung von „Glück“ und erklärte, „das größte Glück der größten Zahl“ sei
„der Maßstab für Recht und Unrecht“. Er führte seine Einwände in seiner Short
Review of the Declaration („Kurzer Überblick über die
Unabhängigkeitserklärung“) weiter aus und wies das Argument für die Trennung von
Großbritannien zurück, wobei er schrieb: „Von der Präambel habe ich wenig oder
gar keine Notiz genommen. Die Wahrheit ist, daß sie wenig oder gar keine
Beachtung verdient.“ Und er zeigte seine Verachtung für die Argumente von
Franklins Verbündeten, indem er schrieb: „Die Ansichten der modernen Amerikaner
über die Regierung… wären zu lächerlich, um irgendeine Beachtung zu
verdienen.“
Er schloß mit der Behauptung, es gäbe „keine natürlichen und unveräußerlichen
Rechte“, und lehnte die „Maximen“ der Erklärung als „widerwärtig gegenüber der
britischen Verfassung“ ab.
Der Kampf um das Amerikanische System
Der erfolgreiche Unabhängigkeitskrieg gegen Großbritannien endete mit der
Kapitulation der Briten in Yorktown in Virginia im Oktober 1781. Es war ein Sieg
für ein Regierungsmodell, das nicht auf der Macht von Waffen oder Geld, sondern
auf Ideen beruht.
Dieser Kampf dauert bis heute an. Er spiegelt sich in einem Brief von John
Adams an Thomas Jefferson aus dem Jahr 1815 wider. Adams, einer der Gründerväter
und zweiter Präsident der Vereinigten Staaten, schrieb: „Was verstehen wir unter
der Revolution? Den Krieg? Der war kein Teil der Revolution; er war nur eine
Auswirkung und Folge davon. Die Revolution fand in den Köpfen der Menschen
statt, und das vollzog sich von 1760 bis 1775, im Laufe von 15 Jahren, bevor in
Lexington auch nur ein Tropfen Blut vergossen wurde.“
Den Beweis dafür finde man in den Artikeln und Pamphleten, die die Kolonisten
zum Kampf gegen die besser bewaffneten und finanzierten Streitkräfte des Empire
inspirieren sollten.
Dieser Kampf ging die nächsten anderthalb Jahrhunderte weiter, als das
Konzept einer Republik, die sich den Prinzipien der Gründungsdokumente
verpflichtet fühlte, wiederholt auf die Probe gestellt wurde – manchmal durch
Krieg, aber auch durch subversive Angriffe auf die Ideale der Gründerväter.
Ein Vertreter dieser Prinzipien war Henry Carey, ein Berater von Präsident
Abraham Lincoln, dessen Vater Matthew schon ein Verbündeter Franklins gewesen
war. 1851 verfaßte Carey eine Schrift mit dem Titel „Die Harmonie der
Interessen“, die einen Bericht über diesen andauernden Kampf darstellte. Carey
schreibt darin:
„Zwei Systeme stehen der Welt gegenüber… Das eine führt zu Armut,
Unwissenheit, Entvölkerung und Barbarei; das andere zu wachsendem Wohlstand,
Komfort, Intelligenz, gemeinschaftlichem Handeln und Zivilisation. Das eine
führt zu einem universellen Krieg; das andere zu universellem Frieden. Das eine
ist das Englische System; das andere dürfen wir stolz das Amerikanische System
nennen…“
Die „Sonderbeziehung“
Die Oligarchie der Londoner City hat ihre Bemühungen, das Amerikanische
System auszumerzen, niemals aufgegeben. Nach dem Zweiten Weltkrieg prägte der
britische Politiker Sir Winston Churchill den Begriff der „Sonderbeziehung“, als
er verzweifelt nach einem Mittel suchte, die Macht des Empire
aufrechtzuerhalten, als dessen reale physische Produktionskraft rapide
schrumpfte. Als es ihm nach dem Sieg über die Nazis nicht gelang, die Amerikaner
zu überzeugen, sich den Briten bei einer Invasion der Sowjetunion, der
Operation Unthinkable anzuschließen,3 gewann Churchill
Präsident Truman dafür, die militärische und wirtschaftliche Macht der USA im
Kalten Krieg als entscheidenden Verbündeten hinter den britischen Plan zur
Rettung des Empire zu stellen.
Dazu gehörte die Gründung der NATO, die nach der treffenden Aussage eines
ihrer Gründer, Lord Ismay, als Organisation eine einzige Aufgabe hatte: „Die
Sowjets draußen, die Amerikaner drinnen und die Deutschen unten halten.“ Als
Ausdruck der klassischen Geopolitik der Londoner City ist sie bis heute eine
Gefahr für die Vereinigten Staaten von Amerika.
Anmerkungen
1. „Adjusting to new realities: rebalancing the UK-US partnership”, Bericht des Ausschuß für Internationale Beziehungen
und Verteidigung des britischen Oberhauses, 22. April 2026.
2. „Corporations Must Re-learn How to be Geopolitical Actors”, Bericht der britischen militärisch-nachrichtendienstlichen
Denkfabrik RUSI (Royal United Services Institute), 7. April 2026.
3. ,Operation Unthinkable', Bericht der britischen Militärführung an Premier Winston Churchill, betreffend der Erfolgschancen
eines Überraschungsangriffs gegen die Sowjetunion, 22. Mai 1945.
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